Berliner Einzelhandel : Shoppingcenter-Spezialist will bei Karstadt am Ku'damm anbauen

Karstadt am Kurfürstendamm könnte neue Nachbarn bekommen: Harald Huth, bekannt als Bauherr mehrerer Einkaufszentren, ist jetzt auch an Teilen des Grundstücks in bester Citylage interessiert. Das Warenhaus soll aber wohl bleiben.

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Handel ist Wandel. Hinter dem Karstadt-Warenhaus am Kurfürstendamm sind weitere Geschäftshäuser geplant.
Handel ist Wandel. Hinter dem Karstadt-Warenhaus am Kurfürstendamm sind weitere Geschäftshäuser geplant.Foto: Cay Dobberke

Harald Huth gehört zu den aktivsten und größten Projektentwicklern und Investoren im Berliner Einzelhandel. Er will am Leipziger Platz im Frühjahr eines der größten Shoppingcenter eröffnen, gründete die Neuköllner Gropius-Passagen und das Steglitzer Center „Das Schloss“ und betreibt das kleinere Zentrum „Zehlendorfer Welle“. Jetzt plant er auch Neubauten auf dem Grundstück von Karstadt am Kurfürstendamm, wie aus Unternehmerkreisen in der City West zu erfahren war.

Das Warenhaus selbst ist demnach nicht bedroht. Aber dessen Parkhaus an der Rankestraße soll Geschäftshäusern weichen. Auch die dortige Warenannahme wäre betroffen. Außerdem steht wohl das Bettenhaus von Karstadt an der Augsburger Straße zur Disposition. Mitarbeiter haben schon Gerüchte darüber gehört. Huth verhandelt angeblich auch mit Eigentümern benachbarter Häuser über deren Erwerb.

Karstadts Rückseite. An der Rankestraße liegt die Parkhauseinfahrt, hier könnte Neues entstehen.
Karstadts Rückseite. An der Rankestraße liegt die Parkhauseinfahrt, hier könnte Neues entstehen.Foto: Cay Dobberke

Mit dem Bezirksamt hat der Unternehmer bereits ein Gespräch geführt, wie die Reaktion des Charlottenburg-Wilmersdorfer Baustadtrats Marc Schulte (SPD) zeigt: Wegen der „vereinbarten Vertraulichkeit“ will er noch keine Einzelheiten nennen. Schulte hält die Flächen hinter dem Kaufhaus für „verbesserungswürdig“. Zuvor müsse allerdings die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) einbezogen werden.

Dem Vernehmen nach gab es verschiedene Planungsvarianten, eine davon für ein großes Shoppingcenter, dem das Karstadt-Gebäude weichen müsste. Inzwischen soll davon nicht mehr die Rede sein. Denn das ehemalige Wertheim-Warenhaus gehört zu den besten Standorten des Handelskonzerns und war erst im Spätsommer 2011 modernisiert worden.

Federn lassen. Auch das Bettenhaus von Karstadt an der Augsburger Straße steht wohl zur Disposition.
Federn lassen. Auch das Bettenhaus von Karstadt an der Augsburger Straße steht wohl zur Disposition.Foto: Cay Dobberke

Die meisten Gebäude der deutschen Karstadt-Filialen gehören inzwischen dem österreichischen Unternehmen Signa. Angeblich treiben Signa-Chef René Benko und Harald Huth das Projekt gemeinsam voran.

Für Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg, wäre das keine Überraschung. Nach seiner Kenntnis sind die Unternehmer miteinander befreundet.

Geschäftlich verbunden ist Benko außerdem mit Nicolas Berggruen, der die Karstadt-Gruppe 2010 übernommen hatte. Zusammen führen beide die Karstadt Premium Group mit drei besonders luxuriösen Warenhäusern, darunter das KaDeWe. Karstadt am Ku'damm gehört aber nicht dazu, Berggruen betreibt den Standort bisher allein.

Auf Anfragen bei Huth, Karstadt und Signa gab es in den vorigen zwei Tagen keine Antworten.

Veränderungen erlebt auch Karstadt am Hermannplatz in Neukölln. Das Gebäude gehörte zuletzt dem Highstreet-Konsortium, bis es im Dezember an die niederländisch-britische Immobilienfirma Meyer Bergman verkauft wurde. Laut Branchengerüchten soll am Hermannplatz zusätzlich die irische Billigmodekette Primark mit einziehen. Die neuen Eigentümer der Immobilie teilten nur mit, zu „Marktspekulationen“ äußere man sich nicht.

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