Berlin : Berliner Fahrradwege: Auf dem Rad ist guter Rat teuer

Es ist nicht schwer, mit einem Fahrrad durch die Bezirke Mitte, Pankow und Friedrichshain-Kreuzberg zu kommen, ohne einen Radweg zu benutzen. Denn noch immer klaffen gerade in dem Radwege-Netz im Osten Berlins große Lücken. Oder die Wege sind in einem derart schlechten Zustand, dass die verkehrsrechtliche Benutzungspflicht aufgehoben wurde.

Trotzdem: In Berlin ist das Rad ein beliebtes Fortbewegungsmittel. Nach Angaben der Senatsverkehrsverwaltung werden täglich 1,2 Millionen Radfahrten zurückgelegt. Der Allgemein Deutsche Fahrradclub (ADFC) schätzt die Zahl der regelmäßigen Radfahrer in der Stadt auf rund 300 000. Die Lobby müsste also stark sein, möchte man meinen. Doch es fehlt an Geld, um die teilweise maroden Radwege zu sanieren oder das Radwegenetz auszubauen. Auch die Sicherheit der Fahrradfahrer ist an manchen Kreuzungen stark gefährdet. Radler werden hier leicht übersehen. So verunglückte erst vor zwei Tagen eine Radfahrerin in Friedrichshagen, weil ein Autofahrer sie nicht wahrgenommen hatte. Insgesamt kamen in den ersten fünf Monaten des Jahres in Berlin fünf Radfahrer durch Verkehrsunfälle ums Leben. Im gesamten Vorjahr waren es 17.

Schon 1994 fasste der Senat den Beschluss, die Radwege in Berlin zu einem Velorouten-Netz zusammenzufassen und entsprechend zu sichern. Insgesamt 600 Kilometer sollen so zu einem lückenlosen Netz zusammengeführt werden, wozu bis 2005 etwa 120 neue Radfahrkilomter geplant sind. Die Kosten dafür bezifferte man damals auf 30 Millionen Mark. Doch erst im vergangenen Jahr standen das erste Geld für das ehrgeizige Projekt zur Verfügung. Drei Millionen Mark. Erst vor wenigen Tagen wurden mit dem Nachtragshaushalt die für 2001 eingeplanten fünf Millionen Mark für Radwege freigegeben - im Vergleich zu anderen Verkehrsbereichen noch immer nur ein winziger Bruchteil.

Mit dem Geld werden zum Beispiel fahrradweg-breite Asphaltstreifen über kopfsteingepflasterte Straßen gelegt, um den Radfahrkomfort zu erhöhen. Neue Ampelschaltungen, die Radfahrern als erstes Grün geben, sollen die Sicherheit erhöhen. "Außerdem bezahlen wir damit die Markierung von Radstreifen auf den Straßen. Noch vor der Neuwahl im Oktober wird die Wilhelmstraße in Mitte, zwischen Leipziger Straße und Unter den Linden, so einen Radstreifen erhalten", sagt Heribert Guggenthaler, zuständiger Referatsleiter in der Senatsverwaltung für Satdtentwicklung. Um die Orientierung zu erleichtern, stellt die Senatsverwaltung weitere grün-weiße Hinweistafeln für den Radverkehr auf.

Berlin verfügt über ein Netz von 810 Kilometern Fahrradwege, hinzu kommen noch einmal 40 Kilometer Busspuren in der Innenstadt, die auch für Radler freigegeben wurden. Hier spielt Berlin bundesweit eine Vorreiterrolle. Doch der Ausbau und die Sanierung des Radwege-Netzes ist nur ein Aspekt. Ein anderer ist der rücksichtsvolle Umgang aller Verkehrsteilnehmer miteinander. Das Klima zwischen Autofahrern und Radfahrern sei angespannt, sagt Heribert Guggenthaler. Denn sie sehen sich als "Straßennutzungs-Konkurrenten". "Gerade junge Fahrzeugführer sind sehr aggressiv und die Radfahrer geben sich alle Mühe, die Klischees als rücksichtslose Verkehrsteilnehmer zu bestätigen. Da muss noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden."

Überzeugungsarbeit wollen die Radverkehrsplaner nun auch im Berliner Regierungsviertel leisten. Gemeinsam mit dem Bundesverkehrsminister hat die Senatsverkehrsverwaltung jetzt ein Gutachten für ein radlerfreundliches Regierungsviertel ausgeschrieben.

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