Berliner Feuerwehr : "Kommunikator" soll Feuerwehreinsätze erklären

Als Konsequenz aus dem Wohnhausbrand mit neun Toten in Berlin-Moabit soll sich die Feuerwehr besser auf Paniksituationen vorbereiten. Erwogen wird, beim Einsatz einen Feuerwehrmann zur Aufklärung der Anwohner abzustellen.

Berlin (15.08.2005, 15:52 Uhr) - Auf einer Sitzung des Innenausschusses verteidigte Feuerwehrchef Albrecht Broemme erneut das Vorgehen der Rettungsmannschaften in der Brandnacht. Nach seiner Ansicht sind vor allem mehr Anstrengungen nötig, um vorbeugend über richtiges Verhalten im Brandfall zu informieren. Vor einer Woche waren bei einem verheerenden Wohnhausbrand in Moabit neun Menschen ums Leben gekommen.

Nach Einschätzung der Feuerwehr hätte es bei dem durch Brandstiftung verursachten Wohnhausbrand keine Toten gegeben, wenn die Mieter auf Hilfe gewartet hätten. Stattdessen hatten drei Familien durch das verqualmte und brennende Treppenhaus zu flüchten versucht. Für sie wurde der Aufgang zur Todesfalle. Für die große Verwirrung am Unglücksort hatte die Feuerwehr seinerzeit zunächst Probleme mit der deutschen Sprache unter den Hausbewohnern verantwortlich gemacht, war später aber etwas davon abgerückt. Einige Mieter hatten den Helfern vorgehalten, sich nicht um sie gekümmert zu haben.

Er habe keinen Zweifel, dass die Feuerwehr bei ihrem Einsatz in Moabit nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt habe, sagte Innensenator Ehrhart Körting (SPD) vor dem Innenausschuss. Allerdings habe es in der Brandnacht Kommunikationsprobleme gegeben, die wohl eher der Panik unter den Mietern, als Sprachproblemen geschuldet waren. Deshalb müsse nun darüber gesprochen werden, wie Menschen in Paniksituationen besser angesprochen werden können. Unter anderem gebe es die Idee, bei derartigen Einsätzen jeweils einen Beamten als «Kommunikator» dafür abzustellen, die Anwohner über das Vorgehen der Feuerwehr auf dem Laufenden zu halten.

Broemme sagte dazu, dies würde Geld kosten, das die Politiker der Feuerwehr dann auch geben müssten. Der Landesbranddirektor verwies auf die Sparmaßnahmen der letzten Jahre. Im Ergebnis seien Löschfahrzeuge derzeit mit jeweils vier Feuerwehrleuten besetzt. Dies sei auch vertretbar - aber früher seien es doppelt so viele gewesen. «Mit mehr Leuten kann man auch mehr machen», sagte Broemme.

Mehrsprachiges Informationsblatt?

Abgeordnete von SPD, PDS und Grünen regten an, Hausbesitzer zur Brandvorbeugung stärker in die Plicht zu nehmen. Unter anderem sollten Verhaltenshinweise für den Brandfall in Mietshäusern ausgehängt werden. Die Feuerwehr denkt laut Broemme darüber nach, ein mit einer Versicherung gemeinsam entwickeltes mehrsprachiges Informationsblatt neu aufzulegen sowie Fernsehspots zu drehen. Dies würde allerdings viel Geld kosten. Broemme sprach erneut dafür aus, in allen Häusern Rauchmelder zu installieren.

Bei der Feuerwehr gibt es den Verdacht, dass die Brandopfer von Moabit schon vor Eintreffen der Rettungskräfte umkamen. Gewissheit gibt es laut Broemme aber nicht, da die Untersuchungsergebnisse der Kriminalpolizei und der Gerichtsmedizin noch nicht vorlägen.

Für die Ergreifung des Brandstifters sind 10 000 Euro Belohnung ausgesetzt. Körting wollte sich vor dem Ausschuss nicht zum Stand der Ermittlungen äußern. Die Polizei ermittelt wegen Brandstiftung mit Todesfolge. Die Behörden gehen davon aus, dass im Treppenhaus Kinderwagen angezündet worden waren. Broemme schilderte den Abgeordneten, Feuerwehrleute hätten versuchsweise einen Kinderwagen in Brand gesetzt. Es habe gereicht, ein Feuerzeug zwei Sekunden lang an die Kunststoffbespannung zu halten. Vier Minuten später habe der Wagen lichterloh in Flammen gestanden.

Broemme forderte in diesem Zusammenhang eine Ausstattung von Kinderwagen mit schwer entflammbaren Stoffen, wie es etwa in den USA längst Vorschrift sei. Die CDU verlangte eine Richtlinie zum Einsatz nicht entflammbarer Materialien. Die Unternehmen müssten sich selbst verpflichten, bei Kinderwagen auf leicht entzündliches Material zu verzichten. Vom Senat verlangte die Union eine Bundesratsinitiative. (tso)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben