• Berliner Finanzkrise: Berlin gehört nicht nur den Berlinern. Volker Hassemer plädiert für Hilfe von außen

Berlin : Berliner Finanzkrise: Berlin gehört nicht nur den Berlinern. Volker Hassemer plädiert für Hilfe von außen

Dr. Volker Hassemer ist Geschäftsführer

Vielleicht ist dies das Positive - wenn es überhaupt so etwas gibt - der jetzigen Situation: dass wir uns öffnen müssen. Dass wir aus der Erkenntnis, es allein nicht zu schaffen, Partner gewinnen müssen, die eine Stadt der Größenordnung Berlins ohnehin braucht. Das Seine alleine zu machen, ist für jede Metropole ein kontraproduktiver Vorschlag. Selbst für eine Metropole, der es gut geht. Würde auch eine solche es zukünftig "alleine machen" wollen, wäre es ihr die längste Zeit gut gegangen.

Zum Thema Online Spezial:
Finanzkrise in Berlin
Ted:
Sind Neuwahlen fällig? Ich habe keine Angst vor dem "Hineinreden von außen". Erstens wird wie im richtigen Leben die Rechnung nicht aufgehen, dass wir hier in Berlin unsere Entscheidungen alleine treffen und andere dafür zuständig sind, sie mitzufinanzieren. Zweitens und mir noch wichtiger: Unsere Situation in diesen Jahren ist so kompliziert, so schwierig, so ungewöhnlich und eben auch so ganz besonders chancenreich, dass wir das Mitdenken und Mitreden von anderen eher abrufen als ablehnen sollten.

Damit übergeben wir noch lange nicht die Stadt anderen, wir beanspruchen sie aber auch nicht für uns alleine oder trauen sie uns nicht alleine zu. Wer jetzt mit Begriffen "Demütigung" oder auch "Wir müssen es selbst lösen, weil wir es uns selbst eingebrockt haben" (wie denn?), argumentiert,ist weit von Selbsterkenntnis oder gar hilfreichen Strategien entfernt. Irgendwie ist das eine andere Variante der Berliner Neigung, im eigenen Saft zu schmoren.

Heutzutage ist die Mitwirkung an den Strategien und Zielen Berlins, der deutschen Hauptstadt, eine sehr öffentliche Angelegenheit. Man muss deshalb nicht befürchten, dunkle Mächte und Eigensüchtigkeiten könnten sich dabei der Stadt bemächtigen. Und dass andere als unsere eigenen Ideen und Konzepte in Zukunft mit den unsrigen in Konkurrenz stehen könnten, sollte uns eher interessieren als schrecken.

Das Wichtigste ist jetzt, dass Berlin nicht aus dem Auge verliert, dass es in einer Zeit lebt, in der es gilt, die neuen Chancen der Stadt auszubeuten, seine Entwicklungspotenziale zu nutzen und in Realität umzusetzen. Berlin lebt doch nach wie vor und trotz allem nicht in einer Zeit des - aus Finanzgründen - großen Unterlassens, sondern in einer Zeit des großen Unternehmens.

Wir sollten uns eher davor hüten, die Stadt von Finanzpolitikern bestimmen zu lassen. Dabei hilft uns vielleicht, dass es schließlich der Zuständigkeitsbereich von Finanzpolitikern war, in dem sich das Desaster der Bankgesellschaft ereignete. Die Stadt ist in der "unternehmerischsten" Phase seit langem und insoweit auch unvergleichbar zu jedem anderen Ort. Da dürfen die Sparkommissare nicht das Lenkrad in der Hand haben. Denn die Strategien für die Stadt werden von ihnen nicht kommen.

Natürlich können wir auch nicht einfach beim Bund "Geld abheben". Der Finanzminister ist deshalb nur der geldtechnische Kooperationspartner. Der eigentliche Partner müsste der Bundeskanzler sein, denn es geht um die Ausbeutung der Zukunftspotenziale der deutschen Hauptstadt. Eine Hauptstadt, die jetzt neu erwacht, neu wächst - übrigens mit allen, teilweise dramatischen Wachstumsproblemen.

Also: selbst wenn Anlass eine eher unangenehme Form der Selbstenteignung war: Die Erkenntnis, dass uns Berlinern Berlin nicht alleine gehört, ist heilsam.

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