Berlin : Berliner Flughäfen sind nur scheinbar billig

Unterschiedliche Berechnungen machen Gebührenvergleich schwer

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Berlin ist für die Fluggesellschaften nur auf den ersten Blick ein preiswertes Pflaster. Wer von München nach Berlin fliegt, zahlt bei der Deutschen BA 21,67 Euro an Flughafengebühren, beim Flug von Berlin nach München werden dagegen nur 3,83 Euro fällig. Doch billiger ist Berlin damit nicht. Beim Flug von München an die Spree werden nämlich die Gebühren von beiden Flughäfen zusammengefasst, beim Start in Berlin müssen dagegen nur Steuern gezahlt werden. Dies relativiert auch die Diskussion um die geplante Erhöhung der Gebühren in Berlin, die zum 1. April um drei Euro steigen sollen.

Ein einheitliches Verfahren zu den Gebühren gibt es in Deutschland nicht. Die einen Flughäfen kassieren von den startenden Maschinen, die anderen von den landenden. Diese Praxis verfälsche in den ausgewiesenen Preisangaben bei den Fluggesellschaften den Vergleich zwischen den Flughäfen, bestätigte Martin Gaebges von der Interessenvertretung Barig der Fluggesellschaften. Man versuche aber, die Kriterien zu vereinheitlichen und nur beim Abflug zu kassieren.

München kassiert bei startenden Maschinen, Berlin dagegen bei landenden. So kommt für den Flug von München nach Berlin der hohe Gebührensatz zustande, während der Flug in die andere Richtung mit gar keinen Gebühren belastet wird. Noch komplizierter wird der Vergleich, wenn auch die Sicherheitsgebühren hinzugerechnet werden. Die Lufthansa weist für den Hin- und Rückflug zwischen Berlin und München bei einem Flugpreis von 60 Euro so einen Steuer- und Gebührenanteil von 41,90 Euro aus. Bei der Deutschen BA sind die Sicherheitsabgaben dagegen im Flugpreis enthalten.

Bei der Höhe der Gebühren befindet sich Berlin derzeit noch im oberen Drittel. Bei innerdeutschen Flügen verlangen Schönefeld, Tempelhof und Tegel pro Passagier jeweils 6,60 Euro. Teurer sind Frankfurt (Main) mit 11,61 Euro, Düsseldorf mit 7,20 Euro sowie München mit 7,19 Euro. Aber auch Leipzig verlangt mit 7,01 Euro noch mehr als Berlin. Und auch Dresden liegt mit 6,94 Euro noch über den Berliner Sätzen. Mit 6,45 Euro folgt Stuttgart dichtauf. Am billigsten wird es mit 2,94 Euro in Erfurt.

Anders sieht es aus, wenn Berlin die Gebühren wie geplant um 3 Euro erhöht. Dann ist nach der Barig-Übersicht nur noch Frankfurt (Main) teurer. Die Berlin Brandenburg Flughafen Holding, die die Gebühren seit vier Jahren nicht erhöht hat, begründet diesen Schritt mit der bisherigen Kostenunterdeckung des Betriebs auf den drei Flughäfen. Vor allem Tempelhof reißt ein Loch in die Kasse. Würde man für Tempelhof kostendeckende Gebühren verlangen, läge man einsam an der Spitze, heißt es bei der Flughafengesellschaft. Selbst nach der Erhöhung auf allen drei Flughäfen seien die Kosten insgesamt noch immer nicht voll gedeckt. Die Erhöhung sei seit langem geplant.

Irritationen hatte es, wie berichtet, gegeben, weil der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) die Erhöhung in einen direkten Zusammenhang mit der Privatisierung und den geplanten Ausbau von Schönefeld gestellt hatte. Flughafengesellschaft und die potenziellen Käufer versichern jedoch, die vorgesehene Gebührenerhöhung diene nicht dazu, den Schönefeld-Ausbau vorzufinanzieren, sondern sei für den laufenden Betrieb erforderlich. Wenn dadurch die Kostendeckung nahezu erreicht wird, ist der Kauf für die Investoren um Hochtief und IVG aber auch attraktiver. Klaus Kurpjuweit

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