Berliner Flughafen BER : Und wieder gibt es Ärger mit der Entrauchung

Erinnerungen werden wach ans Jahr 2012, als die BER-Katastrophe offenbar wurde: Erneut machen die Türen Probleme. Und die Eröffnung wird wohl bald verschoben – wieder einmal.

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Fertiggestellt und in Betrieb. Auf diese Tür trifft das zu – auf den gesamten Flughafen aber leider nach wie vor nicht.
Fertiggestellt und in Betrieb. Auf diese Tür trifft das zu – auf den gesamten Flughafen aber leider nach wie vor nicht.Foto: Th. Metzner

Fast fünf Jahre ist es inzwischen her, dass am 20. April 2012 in Schönefeld der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft tagte. Vorsitzender war Klaus Wowereit, Berlins damaliger SPD-Regierender. Wenige Wochen später, am 3. Juli, sollte der neue Hauptstadtflughafen eröffnet werden.

Um das noch irgendwie hinzubekommen, bewilligten die Kontrolleure damals 20 Millionen Euro zusätzlich für die "Mensch-Maschine-Lösung": Der Flughafen heuerte 600 Hilfskräfte an, die nach Inbetriebnahme des neuen Hauptstadtairports im Brandfall die Türen öffnen und schließen sollten. Denn die Automatiktüren, auch in die Entrauchungsanlage eingebunden, funktionierten nicht. Ja, fast fünf Jahre ist das her.

Die Erinnerung wird mit der Nachricht wieder wach, die sich jetzt schnell verbreitete. Auf der Baustelle des neuen Airports, der offiziell im November 2017 eröffnen soll, machen nach mehrjährigem Krisenmanagement just die Automatiktüren wieder Probleme. Oder immer noch, oder schon wieder, so genau weiß das niemand. Und auch die Sprinkleranlage, wie damals.

Das ist der Grund für aktuelle, zusätzliche Verzögerungen im Terminplan, der ausgerichtet ist auf einen Start im November 2017 – allerdings sah selbst Flughafenchef Karsten Mühlenfeld im Tagesspiegel-Interview kurz vor dem Jahreswechsel nur noch "sehr geringe Chance" dafür. Nun kommt das Türen- und Sprinklerproblem hinzu, womit nach Tagesspiegel-Informationen für 2017 keinerlei Chance mehr besteht.

Woher das Problem plötzlich kommt? Warum erst jetzt? Die Hintergründe sind noch unübersichtlich. Fest steht, dass noch am 12. Oktober 2016 Technikchef Jörg Marks bei einem Presserundgang stolz verkündete, dass 29.000 neue Sprinklerköpfe eingebaut worden seien. Damals demonstrierte er Optimismus, die Extrembaustelle bei der Sanierung inzwischen im Griff zu haben. Es wurde stolz vorgeführt, wie Rollbänder fuhren, wie gerade die Tests der Systeme anliefen. Zu sehen war ein Technikchef, der ziemlich euphorisch wirkte.

Im elften Jahr wird der BER immer närrischer
Eine Fluggastbrücke auf dem leeren Flugfeld, 2012.Weitere Bilder anzeigen
1 von 39Foto: Patrick Pleul/dpa
06.03.2017 08:02Eine Fluggastbrücke auf dem leeren Flugfeld, 2012.

Der Rundgang führte durch viele Automatiktüren, an denen Warnschilder hingen: "Diese Tür ist fertiggestellt und in Betrieb!" Allerdings waren da die "Funktionstests Türen" erst angelaufen. Bei den 307 Türen im Mainpier Nord war man zur Hälfte durch, zu 56 Prozent, wie dem Aufsichtsrat zur Sitzung im Dezember gemeldet wurde. Zu 20 Prozent waren die 868 Türen im Fluggastterminal getestet, zu 5 Prozent die 306 Türen im Mainpier Süd. Nein, von Problemen, gar dramatischen, erfuhr der Aufsichtsrat auf der letzten Sitzung des Jahres 2016 nichts.

Doch inzwischen ist klar, dass bei 80 Prozent der Türen die elektronische Ansteuerung – zuständige Firma: Bosch – nicht richtig funktioniert. Es sind die Türen, die etwa für die Entrauchung punktgenau gesteuert werden müssen, aber auch für die Sicherheits- und Zugangskontrollsysteme im Terminal. Und bei der Sprinkler-Anlage im Südpier hat sich nach Tagesspiegel-Informationen herausgestellt, dass aufgrund der zusätzlichen Sprinklerköpfe größere Rohre nachgerüstet werden müssen. Es ist einer der Gründe dafür, dass die Abnahme seit Monaten überfällig ist. Hier war dem Aufsichtsrat bereits mitgeteilt worden, dass wegen "Fehlfunktionen in den Feuerlöschanlagen" nunmehr "umfangreiche Umbaumaßnahmen" nötig sind. Und nun womöglich auch im Terminal.

Müllers Staatssekretär: "Ende letzter Woche informiert"

Im seinem Anfang Januar verschickten Politikbrief hatte Flughafenchef Karsten Mühlenfeld neue Probleme zumindest angedeutet: "Das BER-Barometer stagnierte Ende des Jahres bei 80 Prozent. Wir, d.h. natürlich vor allem auch die Baufirmen, müssen weiter daran arbeiten, den BER wie geplant zügig baulich fertig zu stellen."

Die Aufsichtsratssitzung am 23. Januar wird verschoben, Anfang Februar kommt das Gremium zu seiner ersten Sitzung 2017 zusammen. Eigentlich sollte es nur um die Neukonstituierung gehen, fünf Arbeitnehmervertreter kommen hinzu. Nun läuft alles darauf hinaus, dass der Eröffnungstermin 2017 – nach Tagesspiegel-Recherchen seit einem halben Jahr unrealistisch – offiziell abgesagt werden muss.

Inwieweit Aufsichtsrat und Eigner bereits Kenntnis von den Problemen haben, ist unklar. In Brandenburg wurden Finanzminister Christian Görke (Linke) und Flughafenkoordinator Rainer Bretschneider über neue Verzögerungen bislang nicht informiert, wie beide auf Anfrage sagten. Dagegen sagte Engelbert Lütke Daldrup, Michael Müllers BER-Staatssekretär: "Ich wurde Ende letzter Woche von der FBB über weitere bauliche Verzögerungen informiert."

"Wir sind fertig mit dem Ding, wenn wir mit dem Ding fertig sind."

Angesichts der neuen Turbulenzen erscheinen auch Aussagen der beiden Regierungschefs Michael Müller und Dietmar Woidke (beide SPD) in Tagesspiegel-Interviews am 8. und 9. Januar in neuem Licht. Aufsichtsratschef Müller sprach weiter von einer Chance für einen Start 2017. Woidke aber sagte: "Ich hoffe, dass wir 2017 technisch so weit sind, die Eröffnung ernsthaft in Angriff zu nehmen." Auf einen Termin wollte er sich schon nicht mehr festlegen lassen. "Wir sind fertig mit dem Ding, wenn wir mit dem Ding fertig sind."

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