Berliner Flughafen : Hartmut Mehdorn will noch mehr Geld für den BER

Schrecken ohne Ende: Flughafenchef Hartmut Mehdorn will außer den von ihm verlangten zusätzlichen 1,049 Milliarden Euro noch einmal zusätzlich knapp 800 Millionen Euro für den BER haben. Die Kosten steigen damit auf mehr als sechs Milliarden. Nun tagt der Aufsichtsrat.

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Da kommen sie: Klaus Wowereit ist bei der Aufsichtsratssitzung eingetroffen, auch Hartmut Mehdorn ist da.
Da kommen sie: Klaus Wowereit ist bei der Aufsichtsratssitzung eingetroffen, auch Hartmut Mehdorn ist da.Foto: dpa

Die Kosten am neuen Hauptstadt-Airport steigen rasant weiter. Flughafenchef Hartmut Mehdorn verlangt nach Tagesspiegel-Informationen von Berlin, Brandenburg und dem Bund zusätzlich zu den 1,049 Milliarden Euro, um den BER fertigzustellen, weitere 779 Millionen Euro. Und zwar, um kurzfristig die Kapazität des schon zu kleinen Airports zu erweitern. Für allein 200 Millionen Euro soll das alte Schönefelder Terminal saniert werden. Das geht aus Eil-Vorlagen Mehdorns für die heutige Sitzung des Aufsichtsrates hervor. Damit würde der BER, einst mit 2,5 Milliarden Euro kalkuliert, mehr als sechs Milliarden Euro kosten. Begründet wird dies mit dem rasanten Wachstum der Passagierzahlen. Allerdings droht Mehdorn eine Niederlage. So will Brandenburg das Milliardenpaket nicht einfach durchwinken, zumal die Unterlagen erst Ende letzter Woche kamen. Stattdessen wollen Brandenburgs Vertreter – so die Linie von Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) – eine weitere Sondersitzung zu den BER-Finanzen beantragen. Der Finanzausschuss hatte ebenfalls kein grünes Licht gegeben.

Mittlerweile sind Hartmut Mehdorn und Klaus Wowereit eingetroffen. Es ist wahrscheinlich, dass die Aufsichtsratssitzung bis in die Nacht dauert, damit, dass Ergebnisse bekannt werden, ist vorerst nicht zu rechnen.

Die von Mehdorn für die Fertigstellung des BER geforderten 1,049 Milliarden Euro, davon 508 Millionen für Umbauarbeiten im Terminal, sind nach Tagesspiegel-Informationen auf eine Eröffnung im Jahr 2016 kalkuliert. Sollte es Rückschläge geben, etwa beim Umbau der Brandschutzanlage oder beim nötigen Notifizierungsverfahrens in Brüssel, wird es teurer. „Eine Verzögerung der Inbetriebnahme um ein Jahr entspricht einem Finanzvolumen von 368 Millionen Euro“, heißt es dazu. Nach der abgesagten Eröffnung 2012 hatten Berlin, Brandenburg und der Bund bereits 1,2 Milliarden Euro nachgeschossen, die laut Mehdorn bis Anfang 2015 reichen. Die Kosten stiegen damit auf 4,6 Milliarden.

Der BER muss laut Mehdorn dringend erweitert werden

Die Erweiterung des Flughafens ist laut Mehdorn dringend nötig. Der BER ist bislang für maximal 27 Millionen Passagiere ausgelegt. Schon 2013 wurden auf den Berliner Flughäfen aber 26 Millionen Fluggäste abgefertigt. Mehdorn geht davon aus, dass es zur BER-Eröffnung 31 Millionen, 2020 bereits 40 Millionen Passagiere sein werden. Dafür will er die Abfertigungshalle in Schönefeld aus DDR-Zeiten für Passagiere von Billig-Airlines weiter nutzen und für 200 Millionen Euro sanieren. Um dies zu planen, will er vom Aufsichtsrat die Freigabe von 5 Millionen Euro. Allerdings ist am Areal des Schönefelder Terminals der künftige Regierungsflughafen geplant. Und der Bund lehnt bislang eine Verlegung strikt ab.

Ein Flughafen, viele Terminals - nicht nur am BER
Bleibt Schönefeld-Alt in Betrieb, gibt es auf dem BER-Gelände zwei Terminals, die nicht direkt miteinander verbunden sind. Woanders gibt es bereits solche Beispiele, wobei häufig Billigfluglinien dann auf ein Abfertigungsgebäude konzentriert werden, so wie es Mehdorn auch in Schönefeld vorhat. Hier im Bild: Schönefeld-Alt.
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1 von 28Foto: dpa
14.02.2014 11:20Bleibt Schönefeld-Alt in Betrieb, gibt es auf dem BER-Gelände zwei Terminals, die nicht direkt miteinander verbunden sind....

Mehdorns Forderungskatalog ist noch länger. Neben 44 Millionen Euro für die Sanierung der maroden Nordbahn verlangt er jetzt 5,17 Millionen Euro für die Abwicklung des Flugbetriebes während der Bauzeit. Weitere 17,5 Millionen Euro will er, um die Zubringer-Trassen für die Start- und Landebahnen zu erneuern.

Selbst die zusätzlich zum zusätzlichen Geld verlangte Summe reicht nicht

Und selbst die verlangten 1,8 Milliarden Euro reichen nach den Prognosen nicht lange. Wie Mehdorn dem Aufsichtsrat mitteilte, werden für nötige „langfristige Erweiterungen nach Inbetriebnahme“ bis 2035 weitere Investitionen über 1,4 Milliarden Euro nötig sein, etwa für den Bau eines Satelliten-Terminals, um 50 Millionen Passagiere abzufertigen. Das ist aber nach Planfeststellungsbeschluss gar nicht genehmigt. Und dann wäre der BER acht Milliarden Euro teuer. Laut Mehdorn soll der Flughafen ab 2018 schwarze Zahlen schreiben. (mit kt)

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