Berliner Fußball : Hertha, my Dear

Wenn alles gut läuft, dann könnte Hertha BSC bald schon im europäischen Fußball mitspielen. Eine Fanbasis in England haben die Berliner jedenfalls schon mal.

Yves Bellinghausen
Mitglieder des "Hertha BSC UK Fan Club" mit einer Englisch-Herthanischen Fahne.
Mitglieder des "Hertha BSC UK Fan Club" mit einer Englisch-Herthanischen Fahne.Foto: Hertha BSC UK Fan Club

Dass Deutscher Fußball in England ein Thema ist, wissen wir spätestens seit dem gern zitierten Satz von Gary Lineker: „Fußball ist ein einfaches Spiel: 22 Männer jagen 90 Minuten lang einem Ball nach, und am Ende gewinnen die Deutschen.“ Das sagte er 1990, als England gegen Deutschland das Halbfinale der Weltmeisterschaft verloren hatte. Seit neuestem ist auch Berlin eine Adresse für guten Fußball aus Deutschland – einige englische Fußballfans haben sich aber schon vor Jahren in den derzeit Tabellendritten verliebt und in London einen Fanclub gegründet.

Seit sechs Jahren fiebert der „Hertha BSC UK Fan Club“ bei den Spielen der Hertha mit. Die Initialzündung sei ein Besuch eines Heimspiels gegen Schalke im Sommer 2010 gewesen, sagt Mitglied Jack Woods. Eigentlich wollten die fünf Gründungsmitglieder nur einen „Männerausflug“ nach Berlin machen. Das Bundesligaspiel sollte eigentlich eine Nebensache auf dem Berlin-Ausflug sein. „Wir haben uns aber direkt in den Verein und ganz besonders in die Stadt verliebt“, schwärmt er, „die offene Fankultur ist überwältigend, wir waren überall sofort willkommen und haben tolle Leute kennengelernt“.

Deutschland habe eine großartige Fankultur

Sowieso hätte die Bundesliga so ihre Vorzüge gegenüber der britischen Premier League. „Klar, wir haben alle auch unsere Teams in der englischen Liga“, sagt Woods, „aber der britische Fußball ist mittlerweile einfach tot!“ Mit den abstrusen Preissteigerungen der vergangenen Jahre würden Fans nur noch als Kunden behandelt. Fußball sei etwas für reiche Leute geworden, Fans finde man nur noch in den Pubs. In Deutschland sei das ganz anders, die Fankultur in den Stadien sei großartig. „Besonders die Berliner Ostkurve hat es uns angetan.“

Und so suchen die rund 30 englischen Hertha Fans etwa drei Mal pro Saison Fußball-Asyl in der Bundesliga. Einmal in der Saison fahren sie auf Auswärtsspiele und zweimal pro Saison wollen sie die Hertha vor heimischer Kulisse feiern – im Olympiastadion. Die restlichen 31 Spiele müsse man dann eben vor dem Fernseher verfolgen. In all den Jahren Treue zu Hertha sind schon einige Geschichten zu Stande gekommen, sagt Woods. Das Stadtderby gegen Union Berlin beispielsweise war in Zeiten der zweiten Bundesliga ein Highlight. Aber auch ein Roadtrip letzte Saison von England aus bis nach Paderborn sei unvergesslich. „That was a madness in that Minibus!“, sagt Woods.

Keine Angst im Stadion nach Brüsseler Anschlägen

Mit dem Blick auf die Tabelle ist er im Moment mehr als zufrieden: Herthas Position in der Tabelle sei beeindruckend, findet er. Die Europa League sei das absolute Minimum für Berlin. Die Begegnung mit Gladbach nächste Woche sei allerdings ein Schlüsselspiel. „Wenn wir das gewinnen, dann können wir nächste Saison auch in der Champions League mitspielen.“ Und damit in Mönchengladbach nächste Woche auch nichts schiefgehen kann, werden die Herthaner aus London auch bei diesem Spiel wieder hinter ihrer Mannschaft stehen und sie anfeuern. Angst, nächste Woche ins Stadion zu gehen, hätten Woods und seine Freunde angesichts der Terroranschläge vom Dienstag nicht, sagt er. „Besonders im Olympiastadion haben wir uns in der Vergangenheit immer wohl gefühlt.“

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