• Berliner Gas-Explosion: Elastisch, dass sich Balken biegen - Die Herderstraße 6 erwies sich stabiler als die Lepsiusstraße 57

Berlin : Berliner Gas-Explosion: Elastisch, dass sich Balken biegen - Die Herderstraße 6 erwies sich stabiler als die Lepsiusstraße 57

C. v. L.

Experten stehen noch vor einem Rätsel: Wieso stürzte vor zwei Jahren bei einer Gasexplosion das Haus Lepsiusstraße 57 in Steglitz ein, während bei ähnlichen Druckverhältnissen das Gebäude Herderstraße 6 in Charlottenburg glücklicherweise standhaft blieb? Manfred Liebetrau von der Bauaufsicht Charlottenburg glaubt, dass Altbauten stabiler sind. Althergebrachtes Mauerwerk und Holzbalkendecken seien Elemente, die elastisch wirkten, so dass sich die Balken biegen könnten, ohne dass etwas passiert.

Stahlbeton sei starrer, reagiere unflexibler auf Druck. Andererseits war aber auch der Nachkriegsneubau an der Lepsiusstraße 1955/56 aus Mauerwerk gebaut, Keller und Erdgeschoss stammten sogar noch aus dem Jahr 1907. Jürgen Lexow von der Bundesanstalt für Materialprüfung erinnerte daran, dass die Behörde vor zwei Jahren intensive Untersuchungen anstellte. Man sei zu dem Ergebnis gekommen, dass es keinen Unterschied zwischen Alt- und Neubauten bei Gasmanipulationen gebe. Unter Umständen könnten Bauten in Ziegelsteinbauweise etwas sicherer sein als Bauwerke mit Betonplatten. Aber pauschal ließe sich dies nicht beurteilen, alle Bauten seien von der Gastechnik her sicher, aber gegen Vorsatz und Manipulation sei man nicht gefeit.

Für den Bausachverständigen Thomas Richter von der GuD Geotechnik und Dynamik-Consult kommt es auf den Explosionsherd, die Sprengkraft, die Größe des mit Gas gefüllten Raumes und seine Lage im Haus an. Der Einzelfall sei entscheidend. Früher und heute aber habe man Gebäude so konstruiert, dass sie beim Ausfall von Einzelteilen nicht die Gesamtstabilität verlieren sollten.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben