Berliner Gefängnisse : Handy und Drogen – alles kommt rein

Schärfere Kontrollen? Dafür fehlt die Zeit. Verstöße werden zu selten bestraft

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Die Ankündigung der Senatorin von Sonntagabend, die Zellen nun schärfer zu kontrollieren, verursacht bei den Justizbeamten in der Jugendstrafanstalt allenfalls Kopfschütteln. Eine Stunde benötige man für eine halbwegs gut kontrollierte Zelle, sagte ein JSA-Angestellter. Faktisch habe man etwa fünf Minuten Zeit. „Wenn etwas gut versteckt ist, finden wir das nicht.“ Bei den meisten Häftlingen seien die Zellen „unübersichtlich und regelrecht vollgemüllt“. Stereoanlagen könnten nicht jedes Mal auseinandergeschraubt werden, hinter Postern ließen sich verbotene Dinge gut verstecken. Trotz Verbots hätten viele Gefangene zum Beispiel Gardinen an den Fenstern. Etwa zwei Drittel der 550 Insassen nähmen Drogen, schätzt der Beamte. „Das Problem sind nicht die Drogen in der Anstalt, das Problem ist, dass weggesehen werden soll.“ Viele Sozialarbeiter tolerierten Drogen, damit Ruhe herrsche. Doch in der Jugendstrafanstalt hätten grundsätzlich Sozialpädagogen das letzte Wort. „Da regieren Gutmenschen“, sagt der Beamte. Wenn bei einem Gefangenen ein Telefon gefunden werde, gebe es oft keine Strafe.

Dies bestätigte einer der Inhaftierten, der sich mit seinem verbotenen Handy beim Tagesspiegel meldete. Zwar würden viele Telefone kassiert, berichtete der Anrufer, doch das sei kein Problem: „Dann kommt eben ein neues rein. Jeder, der ein Handy will, hat auch eines.“ Denn anders als in der JVA Tegel könne man von den Fernsprechern im Gang nur zuvor von der Anstalt genehmigte Nummern anrufen.

Die JSA-Leitung erklärte, es gebe beim Auffinden von Handys Disziplinarmaßnahmen. „Das geht in die Akte.“ Allerdings bestätigte die Anstalt, dass illegale Telefone „weit problematischer“ seien als Drogen. „Jeden Tag finden wir eines in den Zellen.“ Viele Gefangene verschuldeten sich auf diese Weise.

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