Berliner Gewässer : Initiative will gegen Wasser-Müll vorgehen

"Alles im Fluss": Mopeds, Parkbänke und sogar Tresore landen in Berliner Gewässern. Eine Initiative will das nun stoppen.

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In trüben Berliner Gewässern ist so einiges zu finden.
In trüben Berliner Gewässern ist so einiges zu finden.Foto: promo

Das Kippenfischen ist besonders schwierig, erzählt Nadja Berseck vom Recyclingfloß Panther Ray. Zigarettenkippen flutschen durch die Müllfanggitter ihres Floßes durch, müssen stattdessen per Spezialkescher aus dem Wasser geholt werden. Berliner Seen und Flüsse sind beliebte Endlagerstätten für die private Müllentsorgung. Jürgen Köhler von den „Jungen Tauchpionieren Berlin“ erzählt von Fahrrädern, Mopeds, Autoanhängern, Parkbänken und Tresoren, die sie aus den Gewässern fischen. „Tresore sind jetzt ganz in.“

Tauchpioniere und Recyclingflößer beteiligen sich an einer neuen Initiative, die endlich die Wende schaffen will, weg von der täglichen Vermüllung von Uferzonen und Gewässern. Am Dienstag versammelte Radio-1-Moderator Sven Oswald viele Gäste auf der Terrasse des Vereins Flussbad Berlin an der Friedrichsgracht in Mitte, um die Initiative „Alles im Fluss“ zu starten.

"Mach was!“

Die Initiative ist bislang nicht viel mehr als eine Webseite (allesimfluss.berlin), auf der anschaulich gezeigt wird, wo viele Städter ihren Müll versenken und wer schon was dagegen unternimmt. Das reiche aber nicht aus. „Es bedarf einer großen Anstrengung der Stadtgesellschaft“, sagt Beate Ernst von der Initiative „wirBerlin“, ein „Appell an jeden Einzelnen: Mach was!“

Bis zum nächsten Frühjahr sollen Ideen und Konzepte für Anti-Müll-Kampagnen gesammelt und dann in die Tat umgesetzt werden. Berliner Wasserbetriebe und Stadtreinigung wollen die Akteure unterstützen. Dabei geht es auch darum, die Wegwerfmentalität vieler Menschen aufzubrechen und Müllvermeidung mit einem positiven Image zu versehen.

Vermüllte Umwelt

„Wir leben draußen, sind viel unterwegs, das merkt man am Müllaufkommen“, sagt Peggy Hertner, Leiterin der Straßenreinigung bei der BSR. Was helfe, Berlinern und Touristen das Liegenlassen von Unrat abzugewöhnen, sei kontinuierliches Saubermachen. Wo kein Müll liegt, erhöht sich die Hemmschwelle, etwas fallenzulassen. Im Nelly-Sachs-Park habe man damit schon gute Erfolge erzielt.

Letztlich führe die Vermüllung Berlins langfristig zu einer Verschlechterung der Luft-, Trinkwasser- und Lebensmittelqualität, erklärten die Experten von Wasserbetrieben und Grüne Liga. Berliner Joghurtverpackungen, die in der Spree landen, finden sich Jahre später als Mikroplastik im Plankton wieder, also in der Nahrungskette, an deren Ende der Mensch steht. Das Meeresplankton sei auch für die Hälfte der Sauerstoffproduktion auf der Erde verantwortlich.

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