Berlin : Berliner Griechen sammeln für Brandopfer in der Heimat

Bianca Kirchner/Hannes Heine

Die letzten Tage sitzen den jungen Griechenland-Urlaubern noch in den Knochen. Sieben Wochen hatten Irini, Theano’ und Emanuel Batopoulou, elf, acht und drei Jahre alt, bei den Großeltern in Katakolo Urlaub gemacht. Die Hafenstadt liegt im Nordwesten der Peloponnes, nur eine Stunde entfernt von einem der vielen Brandherde dort. Sie sahen den Rauch, schmeckten die Asche.

Für sie ist das nun vorbei. Gestern am späten Nachmittag konnten ihre Eltern sie nach der Ankunft des Fluges aus dem peleponnesischen Patras in die Arme schließen. Nervös hatten Nika Batopoulou und ihr Mann auf dem Flughafen Tegel gewartet. Große Sorgen hatten sie sich um ihre drei Kinder gemacht, drei- bis viermal täglich mit ihnen telefoniert und immer genauestens die Nachrichten von den Bränden verfolgt. Immerhin liegt Katakolo am Meer, das hatte die Eltern in Berlin beruhigt. „Wenn das Feuer zu nah kommt, gehen wir einfach ins Wasser“, haben die Kindern immer gesagt, auch erzählt, dass der kleine Emanuel ständig mit dem Wasserschlauch in der Hand umher laufe und jede brennende Zigarette lösche. Beruhigt waren die Eltern erst, als die Kinder vor ihnen standen. Die Wut aber bleibt. Nika versteht die Brandstifter einfach nicht. „Ein echter Grieche macht so etwas nicht!“

Anderen Passagieren der Maschine war das Feuer noch näher gekommen. Einer Familie aus Salzgitter beispielsweise, die zwei Tage lang in Kalamata im Süden der Halbinsel eingeschlossen war.

Selbstverständlich sind die Brände auch bei den Griechen in Berlin das alles dominierende Thema, etwa im Lokal des Kulturvereins „Griechen in Berlin“ in der Tiergartener Kurfürstenstraße, wo gestern Nachmittag fünf Männer besorgt auf den großen Fernseher an der Wand starrten. Meterhohe Flammen waren dort zu sehen, seit Tagen berichtet der griechische Sender Alpha ununterbrochen aus den Brandregionen.

„Wir haben Verwandte und Freunde dort“, sagen Maki Nikolaidis und Niko Kaggelidis. Beide wohnen schon lange in Berlin, fahren aber regelmäßig in die Heimat. „Dort brennt es häufiger mal im Sommer“, sagt Kaggelidis. Doch Feuer an mehr als 90 Orten seien ungewöhnlich. Dahinter steckten Brandstifter, vermuten die Männer. Gestern sei sogar in einem abgelegenen Waldgebiet im Nordwesten Feuer ausgebrochen. Dort gebe es keinen Verkehr, geschweige denn Bewohner. „Da wurde gezielt gezündelt“, sagt einer.

Mittlerweile hat Griechenlands Ministerpräsident Kostas Karamanlis seine Landsleute angesichts der Katastrophe zu Solidarität und Eintracht aufgerufen. „Klar werden wir helfen“, sagen Nikolaidis und Kaggelidis. In der griechischen Gemeinde in Berlin würden schon Spenden gesammelt. Viele der 30 Mitglieder des Vereins „Griechen in Berlin“ kommen zwar aus der Gegend um Thessaloniki – die Stadt an der Küste im Norden wurde bisher verschont. Dennoch sorgen sich die Männer um Bekannte und Verwandte. Viele der mehr als 13 000 Berliner Griechen würden täglich in der Heimat anrufen, zahlreiche Freunde seien gar nach Griechenland geflogen, um zu helfen.

In der griechischen Botschaft rufen inzwischen nicht nur Deutsch-Griechen an. „Die Anteilnahme unter Deutschen und Griechen ist sehr groß“, heißt es. Bianca Kirchner/Hannes Heine

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