Berlin : Berliner Grüne: Sibyll Klotz als Spitzenkandidatin nominiert

Sabine Beikler

Die Berliner Grünen sind im Warten auf ihre Mitglieder geübt. Eigentlich sollte am Sonnabend in der Columbiahalle um 13 Uhr die Landesmitgliederversammlung (LMV) beginnen, um die Kandidaten für die Landesliste zu nominieren. Eineinhalb Stunden später war man immer noch nicht beschlussfähig. Aber kein Problem, denn ad hoc wurde aus der LMV eine LDK, eine beschlussfähige Landesdelegiertenkonferenz.

Landesvorstandssprecher Till Heyer-Stuffer sagte, die Grünen gingen gegen einen "pöbelnden Steffel und eine korrupte CDU" ins Rennen. Die Partei sei eine "saubere Alternative". "Die Grünen treten gegen einen Gysi an, der sich lieber in Talkshows statt in Kitas aufhält." Die Zukunft liege im Wettbewerb und nicht in einer "Kombinatslösung", wandte sich Grünen-Spitzenkandidatin Sibyll Klotz gegen eine reine SPD-PDS-Regierung. "Die Zeit ist reif für unser Konzept", sagte sie..

Sibyll Klotz kandidierte als einzige Kandidatin für den ersten Listenplatz und erhielt 348 Jastimmen, 25 Neinstimmen und 16 Enthaltungen (89,5 Prozent). Justizsenator Wolfgang Wieland wurde ohne Gegenkandidaten mit 95,4 Prozent der Stimmen auf den zweiten Platz gewählt. Auf Platz drei wurde Felicitas Kubala, Sprecherin des Umweltbereichs und frühere Leiterin des Umweltamtes in Steglitz, nominiert. Sie setzte sich gegen Landesvorstandssprecherin Regina Michalik, Ramona Pop, Sprecherin der Grünen Jugend, und Ludmilla Schlecht durch. Özcan Mutlu, bildungspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion, ist auf Platz vier gewählt worden. Mutlu setzte sich gegen den Haushaltsexperten Burkhard Müller-Schoenau und den Verkehrspolitiker Michael Cramer durch. Kulturstaatssekretärin Alice Ströver trat gegen Barbara Oesterheld, baupolitische Sprecherin der Fraktion, an und wurde von den Delegierten auf Platz fünf nominiert. Die weitere Nominierung dauerte gestern Abend noch an.

Für Landesvorstandssprecherin Michalik war das Abschneiden bei der Wahl zum dritten Listenplatz enttäuschend. Im zweiten Wahlgang erhielt sie 113 Stimmen, Kubala 130 und Ramona Pop 136 Stimmen. Damit schied sie als Kandidatin aus. Sie sagte nach der Wahl, der Landesvorstand werde offensichtlich für alles verantwortlich gemacht. "Wir können eigentlich immer nur alles falsch machen." Aus Grünen-Kreisen ist zu vernehmen, dass der Vorstand sich der Ausarbeitung der Wahlprogrammatik ohne Rücksprache angenommen habe. Michalik sagte, dass andererseits einige Grünen-Mitglieder die Vorstellung gehabt hätten, die Partei würde mit einer klaren Kandidatenliste antreten. "Es ist eben nicht allen recht zu machen." Das Wahlergebnis habe allerdings keinen Einfluss auf ihren Posten als Landeschefin, schloss Michalik einen Rücktritt aus.

Die Kandidatur von Michalik kam im Übrigen für viele Mitglieder überraschend. Die Landesvorstandssprecherin habe sich darüber "wenig verständigt", so ein Parteifreund. Außerdem hätte eine Nominierung von Michalik die Partei in Schwierigkeiten gebracht: Eine Nachfolgerin ist zurzeit nicht Sicht. Allerdings hat der Kampf um Platz drei auch deutlich gemacht, dass die Grünen-Mitglieder sich einer jungen Kandidatin wie der 23-jährigen Ramona Pop durchaus nicht verschlossen hätten. Die 45-jährige Felicitas Kubala zählt dagegen zum "Ökoblock der Partei", hieß es. Der hatte sich letztlich auch durchgesetzt.

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