Berlin : Berliner Gruselkabinett: Neuer Erschrecker gesucht

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Trägt der Tod eine Brille? Können Geister kurzsichtig sein? Die meisten Kinder im Berliner Gruselkabinett waren nicht der Meinung. "Mann, wie öde, ein Erschrecker mit Brille." Diesen Kommentar hat die Chefin des Gruselkabinetts, Marlit Friedland, in den letzten Wochen häufig gehört. Deshalb hat sie ihrem hauptamtlichen Erschrecker nach nur sechs Wochen wieder gekündigt. "Die Brillengläser haben im Dunkeln reflektiert", sagt Friedland. Außerdem habe sich der Erschrecker aus Angst um seine Brille im Dunkeln zu langsam bewegt. "Die Schüler waren schneller und haben dann den Erschrecker erschreckt." Auf ihren Vorschlag, Kontaktlinsen zu tragen, sei Daniel Pahl, der Erschrecker, nicht eingegangen - aus finanziellen Gründen.

Erst im Juni hatte Daniel Pahl sich bei einem Casting gegen sechs Mitbewerber durchgesetzt. "Wir hatten ja noch nie einen Erschrecker mit Brille. Deshalb wussten wir nicht, dass das ein Problem sein könnte", sagt die Chefin des Bunkers am Anhalter Bahnhof. Nun sucht sie verzweifelt nach einem Nachfolger. Möglichst unter 30 Jahre alt und kleiner als 1 Meter 82 soll er sein, damit er schnell genug durch die niedrigen Türen kommt. Vorerst haben die sieben Teilzeiterschrecker den Part übernommen.

In solchen Notzeiten denkt Marlit Friedland mit Wehmut an ihren ersten Erschrecker. Der lief ihr vor gut zwei Jahren mit einer Besucherin davon. Denn die Frau hatte von der wahrsagenden Hexe erfahren, dass der Mann ihres Lebens nicht mehr fern sei. Deshalb hatte sie sich gleich mit dem Erschrecker verabredet und ihn anschließend in ihre Heimat, den Odenwald, entführt.

Daniel Pahl war bis Redaktionsschluss für eine Stellungsnahme nicht zu erreichen. Er hat kein Telefon, dafür aber einen Namensvetter mit einem Mobilfunkanschluss. "Ich bin nicht der Erschrecker", hauchte der mit gruseliger Stimme ins Telefon. Auch nach dem zehnten Anruf war ihm der Humor noch nicht vergangen.

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