Berliner Hauptbahnhof : 500.000 kamen zur Eröffnung

Nach einem weithin sichtbaren nächtlichen Lichtspektakel zur Eröffnung des neuen Berliner Hauptbahnhofs haben tausende Berliner ihre neue Zentralstation in Besitz genommen. Zur Lichtshow kamen mehr als 500.000 Zuschauer.

Berlin - Von 23.00 Uhr an stürmten die Neugierigen in Massen zum ersten Mal in den hell erleuchteten Bahnhof mit seinen 80 Geschäften. Der Andrang war so groß, dass das Gebäude kurz vor Mitternacht aus Sicherheitsgründen zeitweise abgeriegelt werden musste. Zur Lichtshow kamen nach Bahnangaben mehr als 500.000 Zuschauer.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bahnchef Hartmut Mehdorn hatten den gläsernen Bahnhof nach mehr als 10 Jahren Bauzeit am frühen Freitagabend offiziell eröffnet. Zur 20-minütigen Lichtschau mit Musik versammelten sich Berliner und Touristen zu Tausenden auf den Straßen und Brücken rund um den Hauptbahnhof. Die neuen Uferwege entlang der Spree durch das Regierungsviertel wirkten schnell wie Ameisenstraßen. Die Brücken begannen unter dem Massenansturm zu vibrieren. Im Regierungsviertel kam es nach der Show zu langen Staus.

Der Hamburger Lichtkünstler Jerry Appelt ließ den Bahnhof in den Farben grün, gelb, rot oder lila leuchten. Hunderte Scheinwerfer erhellten die Umrisse des Gebäudes oder strahlten in den Himmel. Illuminierte Züge fuhren als Symbol für das Zusammenwachsen Berlins aus Ost- und Westrichtung in die Bahnhofshalle zu. Grüne Laserstrahlen und farbige Lichtkegel verbanden das neue Gebäude mit dem nahen Kanzleramt, dem Reichstag und dem Potsdamer Platz. Feuerwerkskörper beleuchteten den Bahnhof im Takt von Schlagern aus Ost und West, Klassik oder Rockmusik. Das Publikum bedachte die Show mit Beifall. Zum Schluss leuchtete das Bahnlogo rot in die Nacht.

An diesem Sonntag soll die 700 Millionen Euro teure Station aus Glas, Stahl und Beton in Betrieb gehen. Der teuerste und aufwendigste Bahnhofsneubau der Nachkriegszeit ist Teil eines Konzepts, mit dem die Fahrzeiten der Fernzüge bundesweit verkürzt werden. Zum ersten Mal in seiner langen Eisenbahngeschichte ist Berlin durch seinen neuen Kreuzungsbahnhof mit einer ober- und einer unterirdischen Trasse aus allen Himmelsrichtungen zu erreichen. Schönheitsfehler gibt es jedoch noch bei der Anbindung an die Stadt. Noch fehlen die U-Bahn, die Tram und eine S-Bahn Richtung Norden.

Merkel nannte den Bahnhof ein Symbol für ein weltoffenes Land. Die Kanzlerin bekannte sich klar zu einer Privatisierung der Bahn, "die nicht nur kommen soll, sondern kommen muss". Mehdorn sieht in dem neuen Hauptbahnhof ein Symbol für die Überwindung der deutschen Teilung. Der Prestigebau der Bahn steht noch in einer Brachlandschaft nahe dem ehemaligen Mauerstreifen.

Auf den Gleisen des Hauptbahnhofs sollen künftig täglich mehr als 1000 Züge von der S-Bahn bis zum ICE halten. Die Bahn rechnet langfristig mit 300.000 Nutzern am Tag, in der Anfangsphase sollen es rund 50.000 Kunden sein. Insgesamt wurden seit der Wende rund 10 Milliarden Euro in das Berliner Bahnsystem investiert. Der Verkehrsclub Deutschland kritisierte indes die enormen Kosten der Großprojekte aus der Wendezeit, die nicht im richtigen Verhältnis zum Nutzen stünden. (tso/dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben