Berliner Hauptbahnhof : Bahn prüft jetzt doch ein längeres Dach

Am Hauptbahnhof soll die Entscheidung über ein längeres Dach bis zum Sommer fallen. Die Bahn sagt zu der Forderung nicht mehr prinzipiell Nein - und will nun die finanziellen und baulichen Auswirkungen prüfen.

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Bekommt der Hauptbahnhof doch noch ein längeres Dach? Die Bahn will das jetzt zumindest prüfen.
Bekommt der Hauptbahnhof doch noch ein längeres Dach? Die Bahn will das jetzt zumindest prüfen.Foto: picture alliance / dpa

Die Bahn sagt nicht mehr nur Nein. Während sie es bisher strikt abgelehnt hat, über das Verlängern des Dachs am Hauptbahnhof auch nur nachzudenken, erklärt sie sich nun bereit, die Möglichkeit wenigstens zu prüfen. Insider rechnen allerdings nicht damit, dass der Konzern seine Haltung ändern wird und das Dach doch noch kommt.

Nach Angaben eines Sprechers wird die Bahn bis zur Sommerpause detailliert untersuchen, welche finanziellen, baulichen und vor allem verkehrlichen Auswirkungen ein solches Vorhaben haben würde. Damit reagiert der Konzern auf ein Treffen von Bahnchef Rüdiger Grube mit Haushaltspolitikern des Bundestages in der vergangenen Woche. Diese hatten Grube vorgehalten, dass der Bund bereits 51,6 Millionen Euro für das Herstellen des kompletten Daches aufgebracht habe. Die Steuerzahler hätten einen Anspruch darauf, dass die Stahl-Glas-Konstruktion nun auch vollendet werde. Der Bund hatte den Löwenanteil der Baukosten übernommen.

Alle Teile für das für eine Länge von 450 Meter vorgesehene Dach waren bereits aufwändig produziert, als der damalige Bahnchef Hartmut Mehdorn das Projekt mitten in der Aufbauphase stoppte, um Geld und Zeit zu sparen. Der Bahnhof sollte unbedingt zur Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer 2006 betriebsbereit sein. Das Dach schrumpfte so auf beiden Seiten um insgesamt 130 Meter auf nur noch 321 Meter. Die produzierten, aber nicht mehr eingebauten Scheiben und Träger sind seither eingelagert.

Die Bahn sollte die für 2015 vorgesehenen Sperrungen des Ost-West-Verkehrs nutzen, um das Dach auf das vorgesehene Maß zu bringen, forderte vor kurzem auch Bahnhofsarchitekt Meinhard von Gerkan. In zwei Jahren muss die Bahn abwechselnd erst die Fern- und Regionalbahngleise und anschließend die Gleise der S-Bahn für jeweils rund ein Vierteljahr unterbrechen, um Schraubverbindungen an der Brückenkonstruktion reparieren zu können. Um dabei auch das Dach zu verlängern, müssten jedoch alle sechs Gleise gleichzeitig gesperrt werden, hatte die Bahn bisher argumentiert. Dies würde gleichzeitig im Regional- und S-Bahn-Verkehr zu einem sehr teuren – und unattraktiven – Ersatzverkehr mit Bussen zwischen Friedrichstraße und Zoo führen. Zudem verstelle die nach und nach erfolgende Randbebauung am Hauptbahnhof zunehmend den Blick aufs Dach, egal, ob kurz oder lang. Auch die Statik müsse wahrscheinlich nachgebessert werden.

Dass jetzt bei langen ICE-Zügen ausgerechnet die Fahrgäste der 1. Klasse bei Regen nass werden, könnte sich auch erledigen: Nach wie vor gibt es Bestrebungen, auch den heutigen Ost-West-Verkehr auf der oberirdischen Stadtbahn durch den Nord-Süd-Tunnel zu führen – mit der dort alle Fahrgäste schützenden Decke.

Einen Schritt vorangekommen ist man am Bahnhof Zoo. Der seit Jahren geplante Umbau sei nun vorgesehen, teilte ein Sprecher mit. Welche Umbauvariante gewählt wird, soll in diesem Jahr entschieden werden.

Verzögerungen gibt es dagegen am Bahnhof Gesundbrunnen, wo das jahrelange Nachdenken immerhin dazu geführt hat, dass in diesem Jahr an der 2006 eröffneten Station mit dem Bau eines Empfangsgebäudes begonnen worden ist. Der ursprüngliche Entwurf ist auch dort nicht verwirklicht worden, weil das für das Bahnhofsgebäude vorgesehene Einkaufszentrum mit dem Gesundbrunnen-Center schneller in der Nachbarschaft entstanden war.

Durch zusätzliche Untersuchungen und Verzögerungen beim Erstellen der der Ausführungsplanung durch die beauftragte Baufirma hat sich nach Angaben eines Bahnsprechers der Bauablauf verzögert. Der genaue Ablauf der weiteren Arbeiten werde derzeit mit der Baufirma abgestimmt. Ziel ist es, so schnell wie möglich mit den Arbeiten zu beginnen, für die rund ein Jahr veranschlagt sind.

Sogar Jahrzehnte hat es gedauert, ehe die Bahn mit dem Umbau des Ostkreuzes und des S-Bahnhofs Warschauer Straße begonnen hat. Hier startet jetzt die nächste Etappe. Am 13. Mai sollen stadteinwärts fahrende Züge auf beiden Stationen an neuen Bahnsteigen halten, wobei derjenige am Ostkreuz später einmal zum Stopp für Regionalbahnen aus Richtung Lichtenberg wird. Um die Gleise verlegen zu können, gibt es vom 8. bis 13. Mai umfangreiche Einschränkungen im Ost-West-Verkehr der S-Bahn. Kurz vor der Vollendung steht dagegen das Dach auf dem Regionalbahnsteig der Ringbahn, das ebenfalls erst nachträglich eingefügt wird – finanziert vom Land aus einbehaltenen S-Bahn-Mitteln.

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