Berlin : Berliner Haushalt: Böger will 160 neue Lehrerstellen haben

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Schulsenator Klaus Böger (SPD) will verhindern, dass die Behindertenintegration nach der sechsten Klasse aus Personalmangel endet. 60 zusätzliche Stellen werde er bei den Haushaltsverhandlungen fordern, kündigte Böger gestern an. Außerdem verlangt er 100 weitere Lehrerstellen und 40 bis 50 Erzieherstellen, um die Situation an sozialen Brennpunkten zu erleichtern.

Mit diesen Mitteln sollen 20 weitere Schulen eine verlässliche Halbtagsbetreuung von rund 7.30 bis 14 Uhr anbieten können. Bisher gibt es nur 45 dieser Schulen in Berlin. Außerdem will Böger erreichen, dass in Schulen mit einem Ausländeranteil von mehr als 50 Prozent die Klassen verkleinert werden können. Dies allein würde rund 85 der verlangten 100 Stellen kosten. Der Schulsenator folgt mit dieser Forderung den Beschlüssen des jüngsten SPD-Bildungsparteitages. Insbesondere Neuköllns Bezirksstadtrat Wolfgang Schimmang (SPD) hatte kritisiert, dass die Personalmittel für sozial benachteiligte Schulen nicht ausreichten, um die Lage zu entschärfen.

Ob Böger sich gegenüber den CDU-Kollegen Peter Kurth (Finanzen) und Eckart Werthebach (Inneres) wird durchsetzen können, ist noch völlig offen. Strittig dürfte insbesondere die Aufstockung im Bereich der Behindertenintegration sein, die vor über zehn Jahren von der rot-grünen Koalition angeschoben wurde. Denn seit langem ist Beschlusslage in der Großen Koalition, dass der Stellentopf für diesen Bereich "gedeckelt" ist. Das bedeutet, dass ungeachtet des Bedarfs die Personalmittel begrenzt sind. Dies durchzuhalten wird immer schwieriger, weil die Integrationskinder zunehmend von den Grund- in die Oberschulen übergehen. Hier aber gibt es kaum Stellen für die Integration, so dass hunderte Kinder nach ihren guten Erfahrungen mit der Integration an allgemeinbildenden Schulen zu Sonderschulen wechseln müssten. Dagegen wehren sich die betroffenen Familien vehement. Der bündnisgrüne Schulpolitiker Özcan Mutlu will zu dem Dilemma morgen im Abgeordnetenhaus eine mündliche Anfrage stellen.

Schon im vergangenen Jahr gab es Probleme mit den Personalmitteln für die Integration. Die Deckelung des Stellentopfes führte dazu, dass die Schulen pro Kind weniger Lehrerstunde zugemessen bekamen. Die damit erreichte Streckung der Mittel reicht aber im kommenden Jahr nicht mehr aus, da wieder neue Integrationsschüler versorgt werden müssen. Schon jetzt beklagen viele Oberschulen, dass die Bezirksämter die wenigen Plätze in der Sekundarstufe I (Klasse 7 bis 10) willkürlich vergeben. Auf die spezielle Behinderung und die entsprechende Eignung der Schule werde kaum Rücksicht genommen, kritisiert etwa die Weißenseer Hauptschulleiterin Karla Werkentin.

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