Berlin : Berliner Haushaltskrise: Der Streit um das Franzosenbad

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"Das bedeutet für Reinickendorf das Ende des Schulschwimmens", sagt Stadtrat Uwe Ewers (CDU). Doch auch die Hälfte der Schwimm- und Tauchvereine des Bezirks wäre obdachlos, wenn das Hallenbad in der Wittenauer Cité Foch gemäß den Sparplänen des Senats geschlossen wird. Inzwischen haben Eltern eine Unterschriftensammlung für dessen Rettung gestartet, und die Schwimmlubs wollen eine Übernahme in eigener Regie prüfen. Denn ohne das einstige "Franzosenbad" stehen Kinder und Sportler buchstäblich auf dem Trockenen.

22 Jahre lang waren die französischen Militärs und ihre Familienangehörigen in dem 25-Meter-Becken weitgehend unter sich. Zwei Jahre nach dem Abzug der Schutzmächte ging die 1972 gebaute Schwimmhalle an der Rue Georges Vallery 1996 in den Bestand der neu gegründeten Berliner Bäderbetriebe über. Wie alle entsprechenden Einrichtungen der Alliierten wird sie unentgeltlich nur von Schulen und Vereinen genutzt. Die Betriebskosten sollten durch den Zuschuss des Senats an die defizitäre Betreibergesellschaft abgegolten werden, der keinen gesonderten Anteil für Schulen und Vereine ausweist.

Mit der Freigabe der französischen Schwimmhalle konnte das Paracelsus-Bad an der Roedernallee für die Bevölkerung geöffnet werden. Ansonsten steht den 247 000 Reinickendorfern nur noch das Becken im Märkischen Viertel zur Verfügung, das sie sich mit Kindern und Sportlern teilen müssen. 30 Bildungsstätten nutzen die Halle in der Cité Foch regelmäßig, darunter auch die Drittklässler aus der Frohnauer Victor-Gollancz-Grundschule. In Reinickendorf-Ost und -West beträgt der Nichtschwimmeranteil bei den Grundschülern rund 70 Prozent.

Die Jungen und Mädchen teilen sich das Becken mit den Sportlern aus 16 Vereinen wie dem SSC Reinickendorf, dem TV Waidmannslust und dem VfB Hermsdorf. Auch die Synchronschwimmer des SC Wedding finden hier ihr nasses Element. Bei einer Aufteilung auf andere Bäder müssten deren Öffnungszeiten für die Bevölkerung reduziert werden, im Märkischen Viertel wären auch die Aktivitäten der dort bereits ansässigen Clubs beeinträchtigt.

Die Möglichkeit einer Übernahme des Bades in eigene Regie soll geprüft werden, so Christian Stünkler von der Arbeitsgemeinschaft der betroffenen Vereine. Das sei jedoch erst möglich, wenn die Bäder-Betriebe Informationen über die Betriebskosten herausgeben. Offen ist auch noch eine mögliche Beteiligung des Bezirks. Skeptisch sehen die Sportler dagegen die Alternative einer Übernahme durch kommerzielle Betreiber. Dann, so befürchten die Clubs, blieben für sie nur die unattraktiven Abendstunden, was Nachwuchsarbeit unmöglich macht.

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