Berlin : Berliner Hinterhöfe: Würdigung im Fotoband

Olaf Matthes

Wenn man heute von Berliner Hinterhöfen spricht, sind die Assoziationen in der Regel zwiespältig. Es gibt sie noch immer: die dunklen und heruntergekommenen ersten, zweiten und dritten Höfe der Mietshäuser aus wilhelminischer Zeit. Zuweilen haben sie an ihren Wänden die Art von Charme der Vergangenheit bewahrt, wo die Zeit keine Rolle spielt. Demgegenüber steht eine völlig andere bewegte Welt der Hinterhöfe, die seit dem Mauerfall insbesondere den Bezirken Mitte und Prenzlauer Berg ein neues Hinterhofgefühl beschert hat. Hier begann alles mit der aufwendigen Restaurierung der Hackeschen Höfe, die zur Initialzündung für eine neue Gesamtberliner Hofkultur wurde. Vor allem zeigt sich in dem Fotoband von Michael Haddenhorst, dem ein Essay Thomas Friedrichs zur Geschichte und Rezeption des Berliner Hinterhofs beigegeben ist, welches Erneuerungspotenzial darin steckt. Restaurierte und ausgebaute Höfe belegen: Backstein- und Klinkerfassaden sind hightech-kompatibel. Gerade solche Aspekte werden in den einfühlsamen Aufnahmen für das gelungene Buch deutlich. Es zeigt aber auch, was alles der (Wieder-)Entdeckung harrt. Hier schlummert ein bisher wenig beachteter Mikrokosmos, den es so nur in Berlin gibt. Dieses Buch macht Lust auf Hinterhofspaziergänge. Was will man mehr?

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