Berliner Immobilien : Zwei Markthallen im Angebot

Das Land Berlin will die Gebäude in der Arminius- und der Eisenbahnstraße verkaufen, weil die Umsätze schon seit Jahren zurückgehen. Auch in der sanierten Marheinekehalle sind noch Stände frei.

Matthias Oloew
Arminiushalle
In der Arminiushalle in Moabit klagen die Händler über zurückgehende Umsätze. -Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Wenn Holger Lippmann im Oktober zur Investorenmesse „Expo Real“ nach München fährt, hat er zwei besondere Berliner Immobilien im Angebot. Der Geschäftsführer des Liegenschaftsfonds sucht Käufer für die Arminius- und die Eisenbahnmarkthalle. Beide will der bisherige Eigentümer, die landeseigene Berliner Großmarkt GmbH (BGM), loswerden und hat Lippmann beauftragt, neue Interessenten zu finden.

„Wir wollen die Markthallen bedingungsfrei verkaufen“, sagt Jörg-Wilhelm Hohls, Abteilungsleiter der Wirtschaftsverwaltung und zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der BGM. Das bedeutet: Die beiden denkmalgeschützten Gebäude müssen künftig nicht zwingend als Markthallen genutzt werden. Hohls hält das Konzept ohnehin für veraltet: „Eigentlich ist das eine Idee des 19. Jahrhunderts.“

Aus dieser Zeit stammen auch die beiden im Angebot stehenden Hallen. Stadtbaumeister Hermann Blankenstein entwarf sie und zwölf weitere Hallen. 1891 öffneten die Hallen in der Arminiusstraße in Moabit und der Eisenbahnstraße in Kreuzberg als Erste. Zusammen mit der privat betriebenen Ackerhalle in Mitte sind es die letzten, die Krieg und Abrisspolitik unbeschadet überstanden haben. Vor allem die Arminiushalle ist ein Kleinod.

Allein, die Kunden bleiben aus. 1990 setzten die Markthallen umgerechnet noch 13 bis 15 Millionen Euro pro Jahr um – heute sind sie weit davon entfernt. Christiane Herzog, verstorbene Frau des ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog, kaufte regelmäßig in der Arminiusmarkthalle ein, die letzte Sanierung der schmucken Dachkonstruktion ist gerade zwölf Jahre her. Und doch kommen immer weniger Kunden, geben Händler auf. In Moabit ist fast jeder dritte Marktstand leer, in Kreuzberg mehr als die Hälfte.

Dass eine lebendige und kaufkräftige Nachbarschaft nötig ist, um die Markthalle am Leben zu halten, zeigt die Marheinekehalle in Kreuzberg. Die BGM hat sie für 4,5 Millionen Euro instand gesetzt und will sie behalten. Nach Angaben der Wirtschaftsverwaltung macht die Halle Gewinn, auch wenn einige der Stände auf einer neu errichteten Galerie im ersten Stock immer noch nicht vermietet sind. „Das spielt für das Renditeergebnis im Augenblick keine entscheidende Rolle“, sagt Aufsichtsratschef Hohls, „die Galerie ist eine Investition in die Zukunft.“

Obwohl der Rechnungshof die Investition aus Steuergeldern mit dem Hinweis kritisierte, die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln sei auch ohne staatlich betriebene Markthallen gesichert, erklärt Hohls, dass dieses Urteil nicht ausschlaggebend war, die beiden anderen Hallen zu verkaufen. Stattdessen hatte die BGM versucht, die anderen Hallen mit neuen Konzepten wiederzubeleben. In der Eisenbahnstraße sollte ein „Basar“ einziehen, in der Arminiusstraße sollten Handwerker in einer „Halle der Zünfte“ arbeiten. „Für beide Konzepte hätten wir eine Vorvermietungsquote von 80 Prozent benötigt“, sagt Hohls, „doch die haben wir bei Weitem nicht erreicht.“ In Moabit konnten nur für 35 Prozent der Flächen neue Mieter gefunden werden, in Kreuzberg 31 Prozent.

Nach diesem Misserfolg will die BGM sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren, und das ist der Großmarkt in der Beusselstraße. Hier stehen große Investitionen an. So soll bis 2010 der Blumengroßmarkt aus Kreuzberg hierher umziehen. Bis 2012 sollen alle Großmarkthallen energietechnisch saniert werden. Insgesamt 43 Millionen Euro wird das die BGM kosten, eine Summe, die die Landesgesellschaft nach Angaben der Wirtschaftsverwaltung aber auch aufbringen könnte, ohne die Markthallen zu verkaufen. Trotzdem will die BGM sie nicht mehr haben, denn in beide Hallen müssten rund zehn Millionen Euro investiert werden, um sie attraktiver zu gestalten.

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