Berliner Immobilienmarkt : Potsdamer Platz zählt nicht mehr zu Top-Adressen

18.01.2012 09:30 UhrVon Ralf Schönball
Zu vermieten. Daimler zieht vom Potsdamer Platz an den Osthafen. Ein Nachnutzer für die 32 000 Quadratmeter Bürofläche ist noch nicht gefunden. Foto: Mike Wolff Foto: Mike Wolff
Zu vermieten. Daimler zieht vom Potsdamer Platz an den Osthafen. Ein Nachnutzer für die 32 000 Quadratmeter Bürofläche ist noch nicht gefunden. Foto: Mike Wolff - Foto: Mike Wolff

Ist der Potsdamer Platz noch sexy? Immobilienexperten sagen nein und auch Investoren bevorzugen mittlerweile andere Adressen für Büro- und Gewerbeflächen. Doch wo befinden sich die neuen Top-Lagen Berlins?

Das Daimler-Areal am Potsdamer Platz zählt nicht mehr zu Berlins Spitzenimmobilien. Die bisher vergebliche Suche nach einem Nachmieter für die 32 000 Quadratmeter große Bürofläche, die „Daimler Financial Services“ Ende des Jahres verlässt. Die starke Konkurrenz für die Potsdamer-Platz-Arkaden durch die Eröffnung des Einkaufszentrums am Leipziger Platz im nächsten Jahr – wegen dieser unsicheren Perspektiven bewerten die Immobilienexperten vom internationalen Maklerhaus Jones Lang Lasalle das Areal nicht mehr als „Core-Immobilie“.

Ende vergangenen Jahres waren bereits, wie berichtet, die Verkaufsverhandlungen zwischen dem Eigentümer des Areals, einem SEB-Fonds, und Kaufinteressenten geplatzt: 1,4 Milliarden Euro wollte niemand für das Ensemble bezahlen. Rund 400 Millionen Euro weniger sollen geboten worden sein. Sobald ein neuer Mieter für die Büroflächen gefunden ist, könnte das Gebiet aber seinen Status zurückgewinnen. Dass dies gelingen wird, davon ist Vermietungsexperte Jan Hübler von Jones Lang Lasalle überzeugt.

Zumal Berlin immer stärker von der europäischen Finanz- und Währungskrise profitiert: „Berlin ist sexy für internationale Investoren“, sagte der Berlin-Chef von Jones Lang Lasalle, Rüdiger Thräne. Deutschland sei in der gegenwärtigen Währungskrise „ein Hort der Stabilität, und Berlin ist die deutsche Hauptstadt“. Internationale Käufer steuerten mehr als die Hälfte zu den gut zwei Milliarden Euro bei, die im Handel mit Büro- und Geschäftshäusern im Jahr 2011 geflossen sind. Zurzeit liefen Verkaufsverhandlungen über mehrere Bürohäuser im Wert von jeweils rund 100 Millionen Euro.

Die Lieblingsadressen von Investoren und Mietern sind nach Angaben der Makler die Europacity am Hauptbahnhof oder die Mediaspree am Osthafen. Aber auch das „Energieforum“ am Südkreuz in Schöneberg. Dort stehen bereits die Kräne für den Bau des ersten Hochhauses, das Projektentwickler Reinhard Müller an den Elektronikkonzern Schneider vermietet hat.

Alle drei Gebiete würden besonders von der Eröffnung des Großflughafens profitieren, betonten die Experten. Zurückhaltend äußerten sie sich über die Nachfrage nach Neubauten direkt am Terminal und in der Umgebung des Airports. Dort sei zwar der erste Büroturm in Bau und zu drei Vierteln vermietet. Ob sich dort aber auch Firmen ansiedeln, die nicht direkt mit dem Flughafen-Betrieb zu tun haben, bleibe abzuwarten.

Deshalb warnten die Makler den Senat auch davor, Tegel und Tempelhof gleichzeitig zu entwickeln, ohne vorher für beide Gebiete ein klares Nutzungsprofil gefunden zu haben: „Die Stadt muss die Entwicklung steuern“, sagte Investmentexperte Philipe Fischer. Das Angebot an Gewerbeflächen in Tegel und Tempelhof sei zu groß. Es sei niemand damit gedient, wenn „eine Menge angefangener Projekte mangels Nutzer liegen bleiben.“

Dass Berlin sich zum Fixpunkt der Investoren entwickelt, liegt auch an der anhaltend starken Entwicklung der Wirtschaft und der Nachfrage von Mietern nach Büroflächen. Erneut stieg die Zahl der vermieteten Büroflächen, um sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr, auf 542000 Quadratmeter. Das war der zweithöchste Umsatz in den letzten zehn Jahren. Die Zahl leer stehender Bürohäuser sinkt deshalb im vierten Jahr in Folge. Und weil Mieter mit größerem Platzbedarf keine Flächen mehr finden, wird für sie gebaut: für Mercedes und Coca-Cola in der Mediaspree zum Beispiel.

Ein „niedriges Lohn- und Mietniveau, ein breiter Branchenmix und ein wachsender Dienstleistungssektor machen Berlin besonders attraktiv für Betriebsansiedlungen“, sagt Bruno Ettenauer, Vorstandsvorsitzender der CA Immo. Der Konzern entwickelt die Europa-City. Dort eröffnet in diesem Jahr der Total-Tower. Auch die ersten Wohnhäuser sollen bald entstehen. Ettenauer nennt Berlin deshalb einen „aus Sicht des Immobilieninvestors krisenresistenten Wachstumsmarkt.“

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