Berliner Impfbeirat empfiehlt Impfung : Drei Tote durch Meningokokken

Gerade schwule Männer sind besonders von Meningokokken betroffen. Drei Menschen sind im letzen Jahr daran gestorben. Forscher haben noch nicht herausgefunden, warum Schwule häufiger infiziert werden. Der Senat ruft Schwule auf, sich dagegen impfen zu lassen.

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Dem Berliner Impfbeirat zufolge sollten Schwule sich gegen Meningokokken impfen lassen.
Dem Berliner Impfbeirat zufolge sollten Schwule sich gegen Meningokokken impfen lassen.Foto: dpa

Nach drei Todesfällen in den vergangenen zehn Monaten hat der Berliner Impfbeirat am Mittwoch entschieden, dass sich Schwule in Berlin gegen Meningokokken impfen lassen sollten. Das teilte die Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales am Donnerstag mit. Die Regelung soll am 27. Juli in Kraft treten. Welche Krankenkassen die Kosten der Impfung übernehmen werden, ist noch unklar. Die Empfehlung richtet sich an die etwa 80 000 Berliner „Männer, die Sex mit Männern haben“ (dazu gehören neben Schwulen etwa auch Bisexuelle und männliche Prostituierte).

Weitere Fälle

Im Mai waren zwei junge, schwule Männer in Berlin schwer erkrankt. Zwei weitere Fälle waren bereits im Februar und einer im Oktober 2012 gemeldet worden. Alle fünf waren an Meningokokken der Untergruppe C erkrankt, die als besonders gefährlich gilt. Drei von ihnen starben.

Meningokokken sind Bakterien, die eine Hirnhautentzündung oder eine Blutvergiftung verursachen können und dann häufig zum Tod führen. Viele Menschen tragen den Erreger namens Neisseria meningitidis allerdings in Rachen oder Nase, ohne dass es zur Erkrankung kommt. Der Keim kann zum Beispiel durch Küssen oder direktes Anhusten übertragen werden und hat in der Vergangenheit immer wieder zu Ausbrüchen etwa in Kasernen geführt. Er ist aber weit weniger ansteckend als ein Grippevirus.

Zusammenhang noch nicht klar

Grundsätzlich können sich Männer und Frauen gleichermaßen infizieren. In den vergangenen Jahren haben Forscher aber mehrere Meningokokken-Ausbrüche unter Schwulen beobachtet, etwa in Toronto, New York und Chicago. Bisher ist unklar, ob das nur damit zusammenhängt, dass Schwule ein enges soziales Netz bilden, oder ob etwa ein bestimmtes Verhalten sie besonders gefährdet. Einige Studien legen nahe, dass der Prozentsatz gesunder Träger des Bakteriums unter Schwulen besonders hoch ist.

Bisher empfiehlt die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut allen Kindern bis zum 18. Lebensjahr und Erwachsenen mit Immundefekten wie etwa einer HIV-Erkrankung eine Impfung gegen Meningokokken.

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