Berliner in Oslo : "Ein unvorstellbarer Schock"

Der Berliner Steve Hofmann befand sich im Osloer Zentrum, als die Bombe im Regierungsviertel hochging. Mit Tagesspiegel.de hat er über den Tag des Anschlags und die Stimmung in der norwegischen Hauptstadt gesprochen.

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Zerstörte Schaufensterscheiben in der Osloer Innenstadt.
Zerstörte Schaufensterscheiben in der Osloer Innenstadt.Foto: dpa

Steve Hofmann klingt ruhig am Telefon. Der Schreck vom Vortag hat sich nicht in seiner Stimme niedergeschlagen, aber seine Worte verraten, wie sehr ihn die Ereignisse bewegen. "Es ist ein unvorstellbarer Schock für die Menschen. So etwas hat es in Norwegen noch nie gegeben", erzählt er. Der 29-jährige Berliner arbeitet derzeit als Dolmetscher bei einem Bauprojekt der Deutschen Bahn am Osloer Hauptbahnhof. Als die Bombe am Freitag hochging, kam er gerade aus seinem Hotel, das rund zwei Kilometer vom Regierungsviertel entfernt liegt. "Ich habe einen lauten Knall gehört und gespürt, wie die Erde gebebt hat", erzählt er.

Eine riesige Rauchwolke machte sich anschließend über der Stadt breit. "Selbst in meiner Straße zersprangen Schaufensterscheiben, wahrscheinlich wegen der Druckwelle." Hofmann geht zur Arbeit, wo es an diesem Tag kaum ein anderes Thema gibt. Am Abend beschließt er, zu Fuß zurück ins Hotel zu laufen, weil er sich nicht sicher ist, ob die U-Bahn fährt. Er geht durch menschenleere Straßen.

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Trauer vor der Insel Utøya.Weitere Bilder anzeigen
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25.07.2011 07:18Trauer vor der Insel Utøya.

"Gegen 19 Uhr hat die Polizei die Innenstadt abgeriegelt und die Leute aufgerufen, zu Hause zu bleiben." Die Sicherheitskräfte befürchten weitere Anschläge in Oslo. Einige Straßen sind komplett gesperrt, "auch, weil dort Schaufenster zu Bruch gegangen sind und die Polizei die Geschäfte vor Plünderern schützen wollte."

Die Menschen halten sich an die Warnung der Behörden. "Ich konnte mich zwar frei bewegen, dort wo es nicht abgesperrt war, aber außer mir waren sonst fast nur Polizisten und Soldaten auf der Straße." Die Einwohner bleiben an diesem Abend lieber zu Hause. Der Berliner selbst trifft sich noch mit Arbeitskollegen in einer Bar. "Die Stimmung war sehr betreten. Wir haben eigentlich nur die Fernsehnachrichten verfolgt."

Den Verdacht, dass es sich um einen islamistischen Terroranschlag handeln könnte, äußerten viele Menschen, mit denen der Hofmann an diesem Tag sprach. Dann wurde bekannt, dass der mutmaßliche Täter festgenommen wurde: ein 32-jähriger Norweger, der ein christlicher Fundamentalist mit rechtsextremistischem Gedankengut sein soll.

Am Samstag kehrt dann langsam wieder "so etwas wie Normalität" in der norwegischen Hauptstadt ein. Die Leute gehen wieder auf die Straße, einige Straßen werden wieder freigegeben. Direkt am Ort der Bombenexplosion im Regierungsviertel war der Berliner bisher noch nicht. "Dort ist noch alles weitläufig abgesperrt. Man kommt dort gar nicht hin", sagt er.

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