Berlin : Berliner Jugendämter müssen öfter eingreifen

Senat hat höhere Kosten für Erziehungshilfen als die Stadtstaaten Hamburg und Bremen

Sigrid Kneist

Die Berliner Jugendämter müssen im Vergleich mit den anderen Stadtstaaten Hamburg und Bremen deutlich mehr für Hilfen zur Erziehung ausgeben. Dies geht aus einem Bericht ans Abgeordnetenhaus hervor, den der Senat gestern beschloss. In diesem wurden die Jugendhilfekosten in den drei Stadtstaaten verglichen. In Berlin bekommen weit mehr Kinder und Jugendliche und ihre Familien Hilfe durch die Jugendämter als in den beiden anderen Städten. Während hier knapp 23 von 1000 Kindern oder Jugendlichen Erziehungshilfen in Anspruch nehmen, sind es in Bremen knapp 19 und in Hamburg 16. Außerdem müssen in Berlin Kinder öfter in Obhut genommen werden. Jugendsenator Jürgen Zöllner (SPD) führt die Berliner Situation vor allem auf höhere psychosoziale Belastungen der Familien zurück. Dazu zählt Zöllner unter anderem die hohe Quote Alleinerziehender, die bei 46 Prozent liegt, ein deutlich niedrigeres Familieneinkommen und auch „das vergleichsweise geringste Angebot an Ausbildungsplätzen“.

Allerdings sind die Kosten, die durchschnittlich für einen einzelnen Fall aufgewendet werden, in Berlin geringer. Hier wurden im vergangenen Jahr pro Fall rund 22 500 Euro bezahlt, in Bremen 25 300 Euro und in Hamburg 24 500 Euro. Zu den Erziehungshilfen zählen Heimbetreuung, Wohngruppen, Tageseinrichtungen, Betreuungshelfer und Familienberatungsstellen.

Insgesamt gibt der Senat in diesem Jahr 319 Millionen dafür aus; im Jahr 2002 waren es noch 452 Millionen Euro. Um die Mittel für die Erziehungshilfen war in der Vergangenheit heftig gerungen worden. Vor allem Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) wollte vor eineinhalb Jahren die Zuweisungen erheblich kürzen, da er sie im Städtevergleich für viel zu hoch hielt. Er wollte einen effizienteren Einsatz der Mittel erreichen; er beklagte vor allem, dass Kinder und Jugendliche zu oft stationär untergebracht wurden. Dies führte bei den Wohlfahrtsverbänden zu erheblichen Protesten. Die Direktorin des Diakonischen Werks, Susanne Kahl-Passoth, sprach damals von „skandalösen Strangulierungen“.

Alle Bezirke wurden aufgefordert, ihre Ausgaben zu senken; sie erhielten aber die Zusage für Zuschüsse, wenn sie die Sparvorgabe nicht einhalten konnten. Wie aus einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der PDS-Fraktion hervorgeht, gelang es elf Bezirken, 2006 die Kosten zu reduzieren. Lediglich Lichtenberg gab mehr aus als im Vorjahr. Die meisten Gelder musste Neukölln – ein Bezirk mit großen sozialen Problemen – aufwenden, gefolgt von Pankow und Mitte. Die geringsten Ausgaben hatte Steglitz-Zehlendorf zu verbuchen.

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