Berliner Junglehrer : "Zurückkommen? Nein, es gefällt mir gut in Hamburg"

Der Einser-Absolvent Alexander Schäfer wollte in Berlin bleiben. Doch der Junglehrer bekam keine Stelle. Jetzt hat er sich in Hamburg eingelebt.

Susanne Vieth-Entus

BerlinHerr Schäfer, Sie unterrichten seit Sommer 2007 in Wedel bei Hamburg. Sind Sie wegen des fehlenden Beamtenstatus aus Berlin weggegangen?



Nein. Ich bin gegangen, weil es damals in Berlin nach meinem Referendariat in Nord-Neukölln überhaupt keine Aussicht auf eine Lehrerstelle gab. Meine Fächerkombination mit Deutsch, Politik und Geschichte war an Berliner Schulen nicht gefragt. Da half auch mein 1,3-Notenschnitt aus den beiden Staatsexamina nicht weiter.

Haben Sie den Weggang bereut?

Überhaupt nicht. Ich wohne mitten in Hamburg, fahre morgens per S-Bahn eine Stunde in die Kleinstadt Wedel, die hinter Blankenese liegt und zu Schleswig-Holstein gehört. Da gibt es ein Gymnasium mit freundlichen und sympathischen Schülern.

Wie viel verdienen Sie zurzeit als Studienrat? Sind Sie schon verbeamtet?

Ich bin noch Beamter „zur Anstellung“, also in der Probezeit. Netto verbleiben für mich als Unverheirateter ohne Kinder rund 2500 Euro.

Aber die Lebenshaltungskosten sind in Hamburg doch höher. Das Forschungsinstitut Gewos gibt den Preis für eine durchschnittliche Wohnung in Hamburg mit 188 000 Euro an, in Berlin dagegen mit 111 000 Euro.

Meine Wohnung in Hamburgs City ist jetzt dreimal teurer als zuvor die in Moabit. Auch Konzerttickets und Restaurantbesuche sind teurer; aber unterm Strich bleiben dennoch rund 500 Euro mehr übrig, als wenn ich in Berlin eine Stelle hätte.

Als gebürtiger Berliner wollten Sie damals ja gern in der Stadt bleiben. Sie haben lange gezögert wegzugehen. Würden Sie jetzt zurückkommen, wenn Berlin Ihnen eine Stelle anböte? Ihren Beamtenstatus kann Ihnen ja keiner mehr nehmen.

Nein, ich käme wahrscheinlich nicht zurück. Es gefällt mir gut in Hamburg und auch in Wedel.

Vermissen Sie denn überhaupt etwas?

Berliner Schüler führen lebendigere Diskussionen und sind oft kritischer. Natürlich vermisse ich viele Freunde und Verwandte – und das Wetter. Aber mit der Bahn bin ich in 90 Minuten da.


Alexander Schäfer, 31, studierte an der TU Berlin Deutsch, Politologie und Pädagogik und absolvierte eine Ausbildung zum Redakteur an der Berliner Journalisten-Schule.

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