Berlin : Berliner Kaufleute: Der Ball ist voll

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Es gab ein Unikum im Palais am Funkturm. Genauer gesagt, eine Flasche Unicum. Denn der Budapester Kräuterlikör mit dem einzigartigen Namen stand auf einem prall mit ungarischen Spezialitäten gedeckten Tisch, der den Besuchern auf dem Großen Festball des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) am Samstag gleich einmal Appetit machen sollte auf das Thema des Abends.

Nach Portugal im vergangenen Jahr war Ungarn Partnerland des alljährlich ausgerichteten Traditionsballs, womit sich der VBKI auch bei der besonderen Bedeutung Berlins als Drehscheibe zwischen Ost und West in die Verantwortung nehmen lassen wollte. Erstmals - und es soll von jetzt an immer so sein - stellte der Ball nicht nur ein gesellschaftliches Ereignis, sondern auch den Höhepunkt einer Reihe von Veranstaltungen und Begegnungen zwischen dem VBKI und dem Partnerland dar, die die gegenseitigen Wirtschaftsbeziehungen intensivieren sollen.

VBKI-Präsident Klaus von der Heyde hob in seinen Begrüßungsworten dann auch die besondere Bedeutung hervor, die Ungarn bei dem Fall des Eisernen Vorhangs gespielt und damit zur auch zur deutschen Wiedervereinigung beigetragen hat. Der ungarische Botschafter Gergely Pröhle griff das Thema in seinen einleitende Worten auf: "Es ist ein großartiges Gefühl, die Regierung Ungarns im wiedervereinten Berlin zu vertreten. Liebe Berliner, ich danke Ihnen für dieses Gefühl." Und anschließend erinnerte er an die drei ungarischen Tugenden Frohsinn, Humor und Nüchternheit, von denen er hoffte, dass sie auch auf diesen Ball zutreffen würden - ungeachtet des guten ungarischen Weines, der ausgeschenkt wurde.

Zumindest bei den ersten beiden Tugenden ließen sich die Ballgäste nicht lang bitten und strömten aufs Parkett. Den Eröffnungstanz übernahmen der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen und die Frau des Botschafters, Noemi Koranyi. Etwa 2000 Vertreter aus Wirtschaft und Politik waren der Einladung der Veranstalter gefolgt. Laut Udo Marin, Geschäftsführer des VBKI, hätten es auch nicht viel mehr sein dürfen - auf der Tanzfläche war kaum noch Raum für Drehungen. "Der Ball ist voll", sagte er zufrieden.

Und das ist auch für Traditionsveranstaltungen keine Selbstverständlichkeit mehr, seitdem die Regierung in die Hauptstadt gekommen ist. "Es gibt eine neue Wettbewerbssituation bei Bällen", konstatierte Marin. Umso mehr freute ihn das rege Interesse gerade auch aus diplomatischen Kreisen, das der Ball seit etwa zwei Jahren genießt. Um die 40 Botschafter sollen es gewesen sein, die sich in das Palais am Funkturm begeben hatten und tatsächlich waren auffällig viele aus den ehemaligen Ostblockstaaten darunter. Wahrscheinlich kein Zufall, meinte Marin. So seien etwa all jene Länder gekommen, die sich im EU-Erweiterungsprozess befänden: "Das hat auch mit der Rolle zu tun, die Berlin zukünftig erfüllen möchte. Die ehemaligen Ostblockländer begreifen Berlin stärker als eine der großen europäischen Kapitalen, als das vielleicht im Westen der Fall ist."

Die anwesenden Gäste würdigten den Ball auf jeden Fall als großes gesellschaftliches Ereignis. Und wenn auch zu Beginn schon überall eifrig die Köpfe zusammengesteckt und Visitenkarten ausgetauscht wurden, so ließen sie doch nie den vergnüglichen Aspekt des Abends außer Acht - wie die stets gefüllte Tanzfläche und die Schlangen am Büffett bewiesen. Einen Digestif ungarischer Provenienz bekamen sie dort übrigens nicht. Und so blieb die zur Schau gestellte Flasche ein Unikum.

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