Berlin : Berliner Kinder lernen lieber privat

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Trotz des anhaltenden drastischen Schülerrückgangs in Berlin setzt sich bei den Privatschulen der Wachstumstrend fort. Seit dem Schuljahr 1994/95 stieg die Zahl um 17 Prozent auf 16 568. Dagegen verloren die öffentlichen Schulen im selben Zeitraum knapp 46 000 Schüler, was über zehn Prozent ausmacht. Dies geht aus der aktuellen Statistik des Landesschulamtes hervor, die auf einer Erhebung vom September 2001 beruht.

Der Schülerschwund geht vor allem auf Kosten der Gesamtschulen. Sie büßten 3,8 Prozent ihrer Schüler ein, was die Statistiker als "besonders hohen Rückgang" einordnen. Gleichzeitig registrieren sie einen "permanenten Zuwachs" bei den Gymnasien, die in diesem Jahr nochmals 1,4 Prozent zulegten. Diese Entwicklung drückt sich auch in der Verteilung der Berliner Achtklässler aus: 34,5 Prozent von ihnen besuchen ein Gymnasium, 30,4 Prozent eine Gesamtschule, 22,8 Prozent eine Realschule und nur 12,3 Prozent eine Hauptschule. In früheren Jahren hatten Gymnasien und Gesamtschulen den gleichen Anteil. Ursache für den Schülerrückgang bei den Gesamtschulen ist für die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft die Berichterstattung über die Zusammensetzung der Klassen an den Gesamtschulen. Es werde zu häufig darauf hingewiesen, dass nur wenige Gesamtschulen die angestrebte Drittelung der Schülerschaft in hauptschul-, realschul- und gymnasialempfohlene Kinder erreichten. Es gebe auch eine "Hysterie" bei der Hochbegabtenförderung.

Trotz des Schülerrückgangs wurden die Klassen wieder fast genauso voll "gestopft" wie im Vorjahr. In den Grundschulen bedeutet dies, dass im Schnitt 23,2 Kinder in einer Klasse sitzen (Vorjahr: 23,4), in den Hauptschulen 18,9 (19,2), in den Realschulen 28,3 (28,5), in den Gymnasial-Mittelstufen 29,8 (29,4). Wesentlich größer wurden die Klassen an den Schulen für Lern- und"/"oder geistig Behinderte: Hier sitzen jetzt 12 Kinder, vorher waren es 10. Kaum ein anderes Bundesland "leistet" sich so große Klassenfrequenzen wie Berlin. Besonders eklatant ist dies in den 7. Klassen der Gymnasien, wo sich im Schnitt 31 Kinder drängen. In einigen Schulen sind es sogar über 35, weil die Schulleiter mit Abgängen nach dem Probehalbjahr rechnen. Nicht immer erfüllen sich diesen Erwartungen: Die Folge ist, dass die Schüler in der Mittelstufe in zu vollen Klassen sitzen und sich im Physik-Unterricht um wenige Laborplätze scharen müssen.

Der Zuwachs bei den Privatschulen kommt vor allem den konfessionellen Schulen zugute. Wie berichtet, eröffneten in diesem Schujahr allein im Ost-Teil drei neue evangelische Schulen ihre Pforten. Beliebt sind aber auch Waldorf-Schulen und Schulen mit bilingualem Angebot, die sich vor allem an Kinder von Diplomaten und Manager richten, die häufig ihren Wohnsitz wechseln müssen.

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