Berliner Kliniken : Zühlsdorff wird Aufsichtsratschef bei Vivantes

Unternehmer Peter Zühlsdorff wird der neue Aufsichtsratschef bei Vivantes. Mit dem 72-Jährigen bekommen die Vivantes-Kliniken einen ein erfahrener Sanierer.

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Der langjährige Unternehmer Peter Zühlsdorff ist neuer Aufsichtsratsvorsitzender bei Vivantes, Deutschlands größtem kommunalem Klinikkonzern. Foto: dpa
Der langjährige Unternehmer Peter Zühlsdorff ist neuer Aufsichtsratsvorsitzender bei Vivantes, Deutschlands größtem kommunalem...Foto: dpa

Der Umbau der Konzernspitze der Vivantes-Kliniken kommt voran. Der Unternehmer Peter Zühlsdorff wird nach Informationen aus dem Senat neuer Aufsichtsratsvorsitzender. Der bisherige Amtsinhaber Hartmann Kleiner, Jahrgang 1942, wird aus Altersgründen ausscheiden. Gesucht wird noch nach einem Nachfolger für Vorstandschef Joachim Bovelet, der vor einigen Monaten überraschend seinen Rücktritt angekündigt hatte. Mit Zühlsdorff (72) übernimmt ein erfahrener Manager den Aufsichtsratsvorsitz, der offenbar das Vertrauen des Finanzsenators Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD) genießt.

Zühlsdorff hat sich unter anderem als Sanierer des Kosmetikkonzerns Wella einen Namen gemacht, war bei der Modefirma Escada, dem Maschinenbauer Deutz, dem Pharmaunternehmen Merck oder dem Handelskonzern Tengelmann (Kaiser’s) tätig. Er ist Teilhaber der Beteiligungsgesellschaft Deutsche Industrie Holding und sitzt auch im Aufsichtsrat der Bekleidungsfirma SinnLeffers. Zudem hat er vor zwei Jahren die Internationale Schule Villa Amalienhof in Berlin-Spandau gekauft. Erst im Februar 2012 war Zühlsdorff als Aufsichtsratschef der Wirtschaftsfördergesellschaft Berlin Partner zurückgetreten. Hintergrund waren Konflikte mit der inzwischen zurückgetretenen Wirtschaftssenatorin Sybille von Obernitz (CDU), die Berlin Partner enger an die Wirtschaftsverwaltung anbinden wollte.

Bei Vivantes hatte Finanzsenator Nußbaum immer wieder heftig auf einen Sparkurs gedrängt, was Vorstandschef Bovelet letztlich zum Aufgeben veranlasst hatte. Der Senat erwartet von Vivantes eine engere Kooperation mit der Universitätsklinik Charité, die ebenfalls dem Land gehört. In beiden Häusern wird schon seit Jahren auch am Personal gespart. Zuletzt hatte es Proteste der Betriebs- und Personalräte wegen fehlender Pflegekräfte gegeben. Die Krankenkassen fordern vom Senat ebenfalls, mehr Geld in die Kliniken zu stecken.

Vivantes wird derzeit von drei Geschäftsführern geleitet, die selbst relativ neu in der Konzernspitze sind. Nachdem Finanzvorstand Bernd Kahnes sein Amt vor einem Jahr angetreten hatte, folgte vergangenen Herbst der Personalverantwortliche Christian Friese und vor zwei Monaten die Medizinerin Andrea Grebe, zuständig für das Klinikmanagement. Die drei Geschäftsführer kündigten am Mittwoch bei der Vorstellung der Konzernbilanz für 2012 mehr Investitionen in Klinikgebäude und mehr Personal für die Pflege an. Jeder dritte Berliner Klinikpatient wird in einem Vivantes-Bett behandelt. Während die Charité im Jahr rund 139000 Fälle stationär behandelt, sind es 2012 in den neun Vivantes-Häusern fast 215000 gewesen. Mit 14400 Beschäftigten ist Vivantes nach der Bahn der größte Arbeitgeber der Hauptstadt.

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