Berlin : Berliner Koalition: Berlin bewirbt sich nicht um Olympia 2012

Robert Ide,Holger Wild

Der olympische Traum wird für Berlin vorerst ein Traum bleiben. Die große Verhandlungsrunde von SPD und PDS beschloss am Sonnabend, auf eine Bewerbung der Stadt um die Olympischen Spiele 2012 zu verzichten. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sprach von einer "ganz schwierigen Entscheidung".

Zum Thema Online Spezial: Koalition für Berlin
Ted: PDS im Senat - Schlecht für Berlins Image? Berlin als "internationale Sportstadt" sei zweifellos in der Lage, die Spiele auszurichten, sagte Wowereit. In der Abwägung hätten jedoch die finanziellen Risiken etwa beim Bau des Olympischen Dorfes das Übergewicht gegenüber den Chancen und dem Werbeeffekt des Sportfestes behalten. Eine Bewerbung für das Jahr 2016 wollte Wowereit nicht ausschließen. Allerdings fügte er hinzu, er nehme die "Kopplung" der Bewerbungen für 2012 und 2016 durch das deutsche Nationale Olympische Komitee (NOK) zur Kenntnis.

Ein NOK-Beschluss sieht vor, bei einer vergeblichen deutschen Bewerbung um die Spiele 2012 einen erneuten Anlauf für die darauffolgenden Spiele zu unternehmen - "vorzugsweise mit demselben Kandidaten". Berliner Sportfunktionäre hatten deshalb darauf gedrängt, dass sich Berlin trotz der miserablen Haushaltslage um Olympia 2012 bewirbt.

Noch am Nachmittag schien es, als wollten die Unterhändler von SPD und PDS dieses NOK-Junktim in den Wind schlagen und sich auf eine Bewerbung für 2016 einigen. Nach Tagesspiegel-Informationen sah dies der Kompromiss vor, der am Freitag in kleinem Kreis verabredet worden war. Doch letztlich setzte sich offensichtlich die PDS durch, deren Mehrheit eine Berliner Bewerbung um Olympische Spiele aus Kostengründen immer abgelehnt hatte. Die oppositionelle CDU hat dessen ungeachtet angekündigt, in der kommenden Woche im Abgeordnetenhaus über eine Olympia-Bewerbung abstimmen lassen zu wollen.

Unternehmer und Sportverbände zeigten sich von dem Beschluss der künftigen Regierungspartner enttäuscht. "Es ist traurig, dass SPD und PDS diese gewinnbringende Veranstaltung nicht wollen", sagte der Unternehmer Roland Specker dem Tagesspiegel. Specker hatte zusammen mit dem Präsidenten der Industrie- und Handelskammer, Werner Gegenbauer, der Stadt angeboten, die Kosten für das nationale Ausscheidungsrennen um Olympia 2012 zu übernehmen. Zwei Millionen Mark sollten in der Wirtschaft gesammelt werden, um keine öffentlichen Gelder zu bemühen. "Jeder hat das Recht, sich unglücklich zu machen", meinte Specker lakonisch, "die Stadt hat eine Zukunftschance verspielt."

Nach dem Rückzug Berlins bemühen sich nun fünf deutsche Städte um die Spiele: Düsseldorf, Frankfurt am Main, Stuttgart, Hamburg und Leipzig. Zwar werden in internationalen Sportkreisen einer deutschen Stadt wenig Chancen für die Spiele 2012 eingeräumt. Doch auch eine vergebliche Bewerbung würde die Chancen für 2016 deutlich erhöhen. "Wenn wir es ernsthaft meinen, müssen wir uns um beide Termine bemühen", sagte der Vizepräsident des Landessportbundes, Dietrich Gerber. Gerber, der auch Chef des Berliner Olympiastützpunktes ist, bezeichnete die Entscheidung der künftigen rot-roten Koalition als "seltsam und überraschend". Für eine Bewerbung 2016 sieht Gerber nur wenig Chancen: "Eine kleine Option ist noch vorhanden." Auch bei Berlins sportlicher Konkurrenz wird das so gesehen. Der nordrhein-westfälische Sportminister Michael Vesper (Grüne) sagte dem Tagesspiegel: "Es gibt keinen zwingenden Automatismus zwischen den Spielen 2012 und 2016."

SPD und PDS wollen der Justizverwaltung in den nächsten fünf Jahren insgesamt 39 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung stellen, um moderne Kommunikationssysteme - vor allem Computer - anzuschaffen. Der PDS-Fraktionssprecher Harald Wolf sagte, trotz eines im Gegenzug geplanten Stellenabbaus solle insgesamt eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit erreicht werden. Beschlossen ist auch, im brandenburgischen Großbeeren keine neue Berliner Justizvollzugsanstalt zu bauen. Dies sei "nicht zu finanzieren". Das Haftkrankenhaus Plötzensee solle zügig erweitert werden, ein weiteres Haftkrankenhaus in Buch sei dagegen vom Tisch.

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