Berlin : Berliner Koalition: Drei Frauen mit Vergangenheit

Fatina Keilani

Drei Frauen sind für zwei Posten im rot-roten Senat ins Spiel gebracht worden. Die Staatsrechtlerin Rosemarie Will (SPD) für das Amt der Justizsenatorin. Außerdem die Diplomphilosophin Dagmar Pohle (PDS) für das Ressort Arbeit und Soziales, das künftig in Händen der PDS sein wird, und die Soziologin und langjährige Fraktionsvorsitzende Carola Freundl für dasselbe Amt. Allen drei Flüsterkandidatinnen gemein ist die DDR-Vergangenheit.

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Rosemarie Will (52) war schon in der DDR Staatsrechtslehrerin und blieb es auch nach der Wende. Sie trat im Alter von 20 Jahren in die SED ein und verließ sie erst 1990 wieder. Eine Abweichlerin vom DDR-System war sie nicht - sie leitete an der Humboldt-Universität sogar eine Kampfgruppe. Entsprechend heiß umstritten war 1993 die Frage, ob eine solche Person am Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe wissenschaftliche Mitarbeiterin werden dürfe. Schließlich ist der Karlsruher Juristen-Olymp bisher ohne vergangenheitsbelastete Personen ausgekommen. Sogar nach dem Dritten Reich saßen nur Richter mit weißer Weste dort. Will aber schaffte es, sie ging 1993 nach Karlsruhe. In dieser Zeit trat sie in die SPD ein. 1996 wurde sie dann auch noch Verfassungsrichterin in Brandenburg - nach weiteren erbitterten Debatten. Die Kompetenz der 52-Jährigen stellt wohl niemand in Frage, und die meisten würden ihr bescheinigen, dass sie umgedacht hat. Doch werden ihr auch Sätze zugeschrieben wie: "Ein Jurist ist ein Jurist, egal in welchem System."

Dagmar Pohle (48) hat in Leipzig Philosophie studiert. Sie war seit 1976 SED-Mitglied und ist seit 1990 in der Nachfolgepartei PDS. Ein gutes Jahr lang, von August 1980 bis November 1981, war sie Inoffizielle Mitarbeiterin der Stasi. Das ist auf der Webseite der Bundespartei nachzulesen - immerhin ist Pohle dort Vorstandsmitglied. Zu dieser Vergangenheit hatte sie sich Anfang der Neunziger bekannt. Sie wurde durch die PDS-Fraktion im Abgeordnetenhaus und den Ehrenrat mehrfach überprüft, durfte ihr Mandat aber schließlich behalten, weil ihr Verhalten als nicht sehr schwerwiegend empfunden wurde. Pohle hatte den Leerstand einer Wohnung angeprangert, ohne zu wissen, dass diese von der Stasi konspirativ genutzt wurde. Daraufhin nahm die Stasi Kontakt mit ihr auf. Von Januar 1991 bis November 1999 saß sie im Berliner Abgeordnetenhaus und war sozial- und gesundheitspolitische Sprecherin ihrer Fraktion.

Carola Freundl (39) hat wie Dagmar Pohle die Koalitionsvereinbarung mit ausgehandelt. Sie war für die Bildung zuständig. Die Soziologin hat sich durch ihr Engagement in der Erwachsenenbildung in den Schul- und Bildungsbereich eingearbeitet. Den Posten des Schulsenators behält allerdings die SPD - also keine Chance für Freundl. Auch Freundl war SED-Mitglied seit 1982 und ist seit 1990 in der PDS. Von manchen wird sie als unscheinbar und spröde empfunden, viele rühmen sie als kompetent, integrativ und nett. Der Eindruck von Unscheinbarkeit hat wohl auch damit zu tun, dass Freundl im Ruf steht, diszipliniert und gradlinig Politik an der Sache entlang zu machen und sich als Person nicht in den Vordergrund schiebt. Als Favoritin von Gysi gilt sie allerdings nicht.

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