Berlin : Berliner Koalition: Gehen Berlins Schwimmvereine baden?

Susanne Vieth-Entus

Berlins Schwimmer werden künftig weitere Wege zum Wasser haben. Die rot-rote Koalition hat sich darauf geeinigt, kurzfristig elf Bäder zu schließen. Auf der Kippe steht zudem das Sportforum Hohenschönhausen. Insbesondere auf Sportvereine und Schulen kommen harte Zeiten zu, falls die Sparbeschlüsse im Aufsichtsrat der Bäderbetriebe eine Mehrheit finden. Der Landessportbund (LSB) hat bereits seinen Widerstand angekündigt. Kritisiert wird vor allem, dass auch das Bad in der Cité Foch von der Schließung bedroht ist.

"Das Bad ist in einem hervorragenden Zustand. Eine Schließung wäre gar nicht nachvollziehbar", protestierte gestern LSB-Direktor Norbert Skowronek. Er fragt sich auch, wo die Reinickendorfer Vereine trainieren sollen, die bisher alle die Cité Foch nutzen. Wenn sie auf das Paracelsus-Bad auswichen, müssten dort die Zeiten für die öffentliche Nutzung erheblich eingeschränkt werden.

Auf der Streichliste von SPD und PDS stehen je sechs Bäder im Ost- und im West-Teil. Dies sind außerdem das Forumbad Olympiastadion, die kleine Schwimmhalle an der Wuhlheide, die alte Halle des Stadtbades Charlottenburg in der Krummen Straße (s. Foto), die Schwimmhallen an der Wolfshagener Straße und an der Rudolf-Seiffert-Straße, das Stadtbad Wedding, das Hallenbad Adlershof und die Schwimmhalle Weinstraße in Friedrichshain. Das Hallenbad am Hüttenweg wird geschlossen, sobald das Stadtbad Charlottenburg an der Clayallee saniert ist.

Wie die Abwicklung der Bäder vor sich gehen soll, ist noch nicht klar. Zunächst soll es Anfang kommenden Jahres eine Aufsichtsratssitzung geben, auf der das Schließungskonzept abgesegnet werden müsste. Der LSB versucht jetzt, "Mehrheiten zu schmieden", um unterm Strich wie bisher elf Vereinsbäder zu behalten und nicht nur sieben, wie es die jetzige "Streichliste" vorsieht. Als Sparbeitrag bietet der LSB an, auf einen Teil der Nutzungszeiten in den öffentlichen Bädern zu verzichten. Ob das reicht, ist zu bezweifeln. Auf jeden Fall kann sich die neue Regierung auf Proteste einstellen, denn etliche Vereine "sind in ihrer Existenz bedroht", wie gestern ein Vertreter der Sportverwaltung einräumte. So sei nicht klar, wo künftig die Wasserfreunde Spandau trainieren sollen, wenn das Forumbad im Olympiastadion geschlossen wird.

Für die Angestellten der Bäderbetriebe gilt die Beschäftigungssicherung bis 2004. Ob man ihnen anbietet, mit "goldenem Handschlag" zu gehen, steht noch nicht fest. Auf jeden Fall werden sie auf den Personal-Überhang kommen. Das ist aber noch nicht alles. Da die Bäderzuschüsse von Jahr zu Jahr mehr gekürzt werden sollen, rechnen Fachleute damit, dass langfristig über 20 Bäder ihren Betrieb einstellen müssen. Nicht wieder eröffnet werden zudem die bereits stillgelegten Bäder in der Oderberger Straße (Pankow), das Kinderbad Reichssportfeld und das Hubertusbad Lichtenberg. Außerdem soll das SEZ privatisiert werden, um die Millionenzuschüsse ab 2003 zu sparen.

Ein Problem, das mit der Streichliste noch nicht beantwortet ist, ist der Sanierungsbedarf der übrigen Bäder. Andere große Städte haben in den vergangenen Jahren dreistellige Millionenbeträge in ihre Bäder gesteckt, um sie den neuen Freizeiterwartungen der Nutzer anzupassen.

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