Berlin : Berliner Koalition: Olympischer Hürdenlauf schon vor dem Start aufgegeben

Robert Ide

Der Verzicht von SPD und PDS auf eine Bewerbung Berlins für Olympia 2012 ist auf Proteste von Wirtschaft und Opposition gestoßen. "Die Politik hat die Chancen einer Bewerbung nicht erkannt", sagte der Präsident der Berliner Industrie- und Handelskammer, Werner Gegenbauer. Sportverbände reagierten mit Unverständnis.

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Ted: PDS im Senat - Schlecht für Berlins Image? Gegenbauer nahm die Olympia-Entscheidung zum Anlass, die Koalitionsverhandlungen von SPD und PDS allgemein zu kritisieren. "Es reicht nicht, nur zu sparen, bis es quietscht", sagte er in Anspielung auf den Konsolidierungskurs des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD). "Politik braucht auch Inhalte", sagte Gegenbauer. Der IHK-Chef griff ebenso PDS-Spitzenkandidat Gregor Gysi an. Wenn Gysi ein neues Verhältnis zwischen Hauptstadt und Bund anmahne, müsse er auch "über das Verhältnis der Hauptstadt zu sich selbst nachdenken", so Gegenbauer. Gegenbauer hatte gemeinsam mit dem Unternehmer Roland Specker eine Unterstützung der Bewerbung aus Privatmitteln angekündigt. Zwei Millionen Mark sollten in der Wirtschaft gesammelt werden, um die öffentlichen Kassen nicht mit dem nationalen Ausscheidungsrennen um Olympia zu belasten.

Wowereit und Gysi hatten Berlins Olympia-Verzicht am Sonnabend mit finanziellen Risiken einer Bewerbung - etwa beim Bau des Olympischen Dorfes - begründet. "Berlin hat eine große Chance vergeben", sagte der Präsident des Landessportbundes, Peter Hanisch. Anderer Meinung ist der Präsident des Deutschen Sportbundes, Manfred von Richthofen: "Das ist eine verantwortungsvolle Politik gegenüber den Bürgern Berlins." Richthofen hatte sich mehrfach gegen eine Berliner Bewerbung gewandt.

Vor der Wahl hatten sich Wowereit und große Teile der SPD für Olympia stark gemacht, die PDS hatte dagegen argumentiert. In den gescheiterten Gesprächen für eine Ampelkoalition war das Thema ebenfalls umstritten. Dort hatten die FDP und SPD pro Olympia gestritten, die Grünen dagegen. Nach Angaben aus Verhandlungskreisen soll auch SPD-Chef Peter Strieder gegen die Spiele argumentiert haben. Strieder sagte am Sonntag, die Bauverwaltung hätte für den Fall einer Bewerbung öffentliche Kosten in Milliardenhöhe ermittelt. "Das ist für die Politik nicht kalkulierbar", sagte Strieder.

Am Donnerstag will die CDU im Abgeordnetenhaus einen Pro-Olympia-Antrag abstimmen lassen. FDP-Präsidiumsmitglied Martin Matz nannte den Verzicht eine "grundsätzliche Entscheidung gegen Olympia", auch wenn sich Rot-Rot die Option für 2016 offen halte. Wowereit hatte eine Bewerbung für 2016 nicht ausgeschlossen.

Diese Option stieß auf Kritik nationaler Sportverbände. Der Chef des Nationalen Olympischen Komitees (NOK), Walther Tröger, sagte: "Von einer Joker-Position halte ich überhaupt nichts. Und ich glaube, dass auch die anderen Kandidaten nichts davon halten." Nach dem Rückzug Berlins bewerben sich nun Düsseldorf, Frankfurt am Main, Stuttgart, Hamburg und Leipzig um Olympia 2012. Bei einer vergeblichen deutschen Bewerbung sieht ein NOK-Beschluss einen erneuten Anlauf für die Spiele 2016 vor - "vorzugsweise mit demselben Kandidaten". Angesichts dieser Regelung kritisierte IHK-Chef Gegenbauer den Versuch, 2016 erneut zu starten: "Es ist unangemessen und unsympathisch, die anderen scheitern zu lassen und sich dann vorzudrängeln", sagte Gegenbauer, "für einen solchen Plan stehen wir nicht zur Verfügung."

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