Berlin : Berliner Koalitionsphantasien: Und die mörderische Frage: Wer mit wem?

lom

Vor genau einem Jahr, am 10. Oktober 1999, wählte Berlin ein neues Abgeordnetenhaus, oder besser: das alte wieder neu. Christdemokraten und Sozialdemokraten, sie könnten noch nicht voneinander lassen, obwohl es zumindest die Sozialdemokraten wollten. Aber die Große Koalition in der Stadt ist längst nicht mehr groß, und sie hat auch keine großen Aufgaben mehr. Jedenfalls fast keine. Nur ihr letztes Projekt wird noch einmal richtig wichtig: Die schwarz-rote Koalition schafft sich selber ab. Und sie hat damit sogar schon begonnen, obwohl die nächste Wahl erst in vier Jahren ansteht, 2004. Dann wäre Eberhard Diepgen seit vierzehn Jahren Regierender Bürgermeister - und die SPD ebensolange seine kleine Partnerin. Zeit für einen Wechsel. Nur für welchen? Jede der beiden Koalitionsparteien hat, nach heutigem Stand, nur je eine neue Option. Aber die ist zugleich ziemlich unangenehm. Das Verhältnis der Christdemokraten zu den Grünen ist ähnlich verkrampft wie das der Sozialdemokraten zur PDS. Denn das waren doch gestern noch die ideologischen Gegner. Auf Dauer ist so ein Krampf ja nur schwer zu ertragen. Deshalb haben jetzt alle mit Lockerungsübungen begonnen, praktisch auf der Ebene der Bezirke, mündlich schon eine Etage darüber. Immerhin, sie sprechen miteinander. Der Anfang neuer wunderbarer Freundschaften ist das nicht. Aber vielleicht der Anfang einer neuen, spannenden Koalition in Berlin.

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