Berliner Konzertsommer : Helge Schneider kommt in die Waldbühne

Der Entertainer wirbt in Berlin für sein großes Sommerkonzert. Auf Kaffeefahrt mit Mister "Katzeklo".

Waldbühnen-Kauz. Helge Schneider spielt bald in Charlottenburg. Anders als 1999 habe er jetzt auch Lust darauf.
Waldbühnen-Kauz. Helge Schneider spielt bald in Charlottenburg. Anders als 1999 habe er jetzt auch Lust darauf.Foto: Thilo Rückeis

Nein, so richtig warm wird Helge Schneider mit seinem Publikum an diesem Tag nicht. Umsonst warten die Leute auf die verkniffene, listige Grimasse und auf die knarzende Stimme, mit der er seit Jahrzehnten Deutschlands Lieblingskauz gibt. Schneider scheint an diesem Dienstag nicht in Laune zu sein. Vielleicht liegt es daran, dass er zwar ein gefeierter Entertainer ist, aber kein guter Verkäufer. Und nun muss er verkaufen – den Vormittag über gondelte er mit einem Bus voller Journalisten durch Berlin, um für sein Waldbühnenkonzert zu werben. Am 14. Juli kommt Helge Schneider im Rahmen seiner Tour „240 Years of Singende Herrentorte“ nach Berlin.

Die Fans lieben seinen Humor zwischen Trivialität und Tiefsinnigkeit

Fast scheint es, als gebe es ihn und sein zigfach gespieltes „Katzeklo“ wirklich schon 240 Jahre. Jedenfalls wirkt er recht müde, als er am Ernst-Reuter-Platz in den Reisebus Richtung Waldbühne steigt. „Kaffeefahrt mit Helge Schneider“, das hat sich die Veranstaltungsagentur einfallen lassen. Nette Idee eigentlich. Doch dann kauert der 61-Jährige vorne neben dem Fahrer, man sieht nur seinen Rücken, und über das Mikrofon feuert er den ersten, recht erwartbaren Rheumadecken-Gag ab. Nun ja.

Aus der Kaffeefahrtnummer wird schnell eine Stadtrundfahrtnummer – Improvisation eben, eigentlich sein Spezialgebiet. „Rechts sehen Sie einen schönen großen Schrottplatz“, sagt er, als der Bus an einem Autohaus vorbeifährt. Kurz danach, auf Höhe der Kolonie Westend: „Kleingärten sind, wenn man keinen großen Garten will, die richtige Entscheidung.“ Aus den Reihen kommt verhaltenes Kichern – längst nicht das, was Schneider gewohnt ist von den Fans, die ihn für seinen trivialen bis tiefsinnigen Humor lieben.

"Sie müssen dich lieben oder du kannst gleich nach Hause"

Im Juli wird es sicher besser laufen für ihn – mehr normale Menschen, weniger „Schmeißfliegen“, wie er die Fotografen nennt, die vor der Waldbühne stehen, als der Bus ankommt. Sie wollen, dass er die Arme lustig hochwirft, im Hintergrund die zwei Spitzen des weißen Bühnendachs. Den Gefallen tut er ihnen nur kurz und aus Pflichtbewusstsein. „Ich möchte gar nicht lustig sein“, sagt er später im Café K. „Das verstehen immer viele falsch.“

Gute Miene. Helge Schneider wirbt für sein Waldbühnenkonzert.
Gute Miene. Helge Schneider wirbt für sein Waldbühnenkonzert.Foto: Thilo Rückeis

Irgendwie passiert es ihm dann aber doch immer wieder, dass er lustig ist. Selbst in Berlin, wo er Mitte der 1970er Jahre in der Eierschale kein gutes Debüt hinlegte. „Man hat mir vorher gesagt, die Leute müssen dich hier gleich lieben oder du kannst direkt zu Hause bleiben.“ Klar, dass Schneider kaum Lust auf den Auftritt hatte. „Nach drei Stücken habe ich eingepackt und bin losgefahren.“ Jahre später gab er der Stadt noch eine Chance und sie ihm. Seither gibt es in Berlin genug Fans, um die Konzertsäle zu füllen, ganz früher etwa im längst geschlossenen Quartier Latin auf der Potsdamer Straße, zuletzt im Tempodrom. In der Waldbühne ist er 1999 schon einmal mit seiner Band „The Firefuckers“ aufgetreten. Hätte übrigens auch besser sein können, sagt er heute. „Damals hatte ich gar keine Lust, das hat sich jetzt aber geändert.“

Hauptsache ein Liedchen spielen

Was bei seinem Konzert passieren wird, weiß Schneider noch nicht genau. Hauptsache: „Ein Liedchen spielen.“ Es ist ja seine Stärke: Jazziges, bluesiges Gezupfe und Getaste auf diversen Instrumenten, dazu Gaga und Freiraum – seine Shows tropfen wie zufällig aus den Tönen. Schneider quäkt, grummelt, trällert am liebsten über Dinge, die sonst niemand besingt: Käsebrote, Bonbons aus Wurst, Möhrchen, Reis. Das macht ihn und seine Fans glücklich.
Zum Ende der Kaffeefahrt, die keine ist, als der Pressetermin schon fast vorbei ist, setzt Schneider sich dann doch noch an ein Klavier und klimpert bezaubernd drauf los, es gibt Applaus. Und sein Gesicht sagt: Geht doch.

Weitere Informationen und Tickets für das Waldbühnen-Konzert am 14. Juli unter www.helge-schneider.de

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