Berlin : Berliner Krise: Topographie und Museumsinsel soll der Bund bezahlen

Amory Burchard

Tief aus dem Berliner Haushaltsloch wird Ruf nach Bundeshilfen immer lauter. Vor allem in einem Bereich, in dem der Bund in den letzten Monaten schon größere Lasten übernommen hat, hofft das Land auf weitere Millionen-Zuschüsse. Das Muster: Wenn Kulturstaatsminister Naumann im Jahr 2000 zugesagt hat, dass der Bund die Betriebskosten für das Jüdische Museum von 18 Millionen Mark komplett übernimmt, könnte sein Nachfolger Nida-Rümelin die 76 Millionen Mark Baukosten für die Topographie des Terrors übernehmen. Genau das hat nun der haushaltspolitische Sprecher der CDU, Alexander Kaczmarek, vorgeschlagen. Die Gedenkstätte auf dem ehemaligen Gestapo-Gelände sei ein nationales Anliegen.

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Sind Neuwahlen fällig? Die Direktorin der Stiftung Topographie des Terrors, Gabriele Camphausen, hält den Vorstoß für wenig aussichtsreich. "Jammern und Klagen" angesichts des hausgemachten Berliner Finanzskandals sei "eher kontraproduktiv". Schon im Herbst 2000 habe die CDU-Fraktion im Bundestag beantragt, der Bund solle die Kosten komplett übernehmen. Dies sei Anfang des Jahres vom Parlament abgelehnt worden. Die Stiftung sei mit dem derzeit letzten Stand der Dinge zufrieden: Im März erklärte sich Kulturstaatsminister Nida-Rümelin bei einem Spitzengespräch mit Stadtentwicklungssenator Strieder bereit, die Hälfte der 76 Millionen Baukosten zu übernehmen, wenn es denn bei diesem Betrag bliebe. Gerade gestern erfuhr Gabriele Camphausen aus dem Büro des Architekten, Zumthor selber glaube nun, die Gedenkstätte für 76 Millionen fertig bauen zu können. Bis zur Sommerpause wird der Kostenplan geprüft, im Herbst soll weitergebaut werden. Die Kostenteilung zwischen Land und Bund sei bei einer Gedenkstätte wie der Topographie "inhaltlich sinnvoll". Angesichts der Haushaltskrise solle man aber auch nicht ausschließen, darüber neu nachzudenken, sagt Camphausen. Bei der Stiftung Preußischer Kulturbesitz ist der Ruf nach Bundesmillionen lauter.

Fianzsenator Kurth und Kultursenator Stölzl wollen, dass der Bund die Kosten für die Sanierung der Museumsinsel komplettübernimmt. Berlin sei mit dem preußischen Erbe allein überfordert. Stiftungs-Vizepräsident Norbert Zimmermann betont, auch er hielte es nicht nur wegen der akuten Berliner Finanzkrise "für angebracht", dass der Bund deutlich mehr als die Hälfte der Baukosten übernehme. Die Kostenteilung 50 : 50 stamme noch aus Vorwendezeiten.

Derzeit wartet die Stiftung auf 30 Millionen Mark vom Land Berlin; vom vergangenen Jahr stehen noch 25 Millionen aus. Wenn die im Nachtragshaushalt nicht bereitgestellt würden, sagt Zimmermann, drohe das Bauprogramm für die Alte Nationalgalerie und das Bodemuseum und die laufende Sanierung der anderen Häuser "zu havarieren". Arbeiten zu verschieben, sei undenkbar. Architekturbüros könnten nicht beliebig geschlossen und dann wieder hochgefahren werden.

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