Berlin : Berliner Lehrern droht Mehrarbeit

Der Senat hat einen neuen Plan gegen den Stundenausfall an Berliner Schulen: Den Schulleitern soll es demnach ermöglicht werden, ihr Lehrpersonal flexibler einzusetzen - und ihre Arbeitszeit wenn nötig um zwei Stunden zu heben oder zu senken.

In Berlin zeichnet sich eine heftige Auseinandersetzung zwischen den Lehrerverbänden und dem Senat ab. Um „drohenden Unterrichtsausfall zu vermeiden“ sollen Berlins Schulleiter nach dem Willen des Senats ab 1. August die Möglichkeit erhalten, die Arbeitszeit von Lehrern in Absprache mit diesen um bis zu zwei Stunden pro Woche zu verlängern. Um einen „flexibleren Einsatz“ der Pädagogen zu ermöglichen, soll ein Schulleiter „die individuelle Unterrichtsverpflichtung eines Lehrers im Benehmen mit diesem um bis zu zwei Stunden heben oder senken“ können, heißt es in einem Entwurf für eine neue Rechtsverordnung, der dem Tagesspiegel vorliegt.

Innensenator Ehrhart Körting (SPD) hat das Papier den Gewerkschaften und dem Hauptpersonalrat zur Stellungnahme zugeleitet. Ziel ist es, „den staatlichen Unterrichtsauftrag ausreichend zu gewährleisten“, so die Begründung. Körting verweist im Begleitschreiben auf Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD), der den „Wunsch“ habe, dass die Schulen „auf den strukturellen Lehrerbedarf reagieren können“. Innerhalb von vier Jahren soll ein Ausgleich für die zu viel oder zu wenig geleisteten Stunden erfolgen.

Beamtenbund befürchtet "Geschachere" um Arbeitszeiten an den Schulen

Der Vorsitzende des Berliner Beamtenbundes, Joachim Jetschmann, bezeichnete die geplante Verordnung als „Bankrotterklärung der Personal- und Bildungspolitik“. Er fürchtet, dass in den Schulen jetzt ein „Geschachere“ zwischen Leitern und Lehrern einsetzt, wenn diese versuchen, eine Erhöhung ihrer Arbeitszeit abzuwenden. Etliche Kollegien hatten nach dem Amtsantritt Zöllners „Überlastungsanzeigen“ geschrieben und um eine geringere Stundenverpflichtung gebeten.

Berliner Lehrer müssen je nach Schulform 26 bis 28 Wochenstunden unterrichten und liegen im Bundesvergleich im oberen Bereich. Die letzte Arbeitszeiterhöhung hatte schon zu Protesten geführt, zumal auch die Altersermäßigung und die Altersteilzeit gestrichen wurden. (sve)

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