Berliner Luft : Viele BVG-Busse sind immer noch Dreckschleudern

Die Umweltzone hat laut BUND viel zur Luftverbesserung in Berlin beigetragen. Doch an einigen Straßen und Plätzen treibt der rege Busverkehr den Schadstoffgehalt in die Höhe.

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Überholt. Viele Berliner Busse brauchen bessere Filter.
Überholt. Viele Berliner Busse brauchen bessere Filter.Foto: dpa

Der Senat hat in diesem Jahr den Luftreinhalteplan für Berlin fortgeschrieben. Die Neuauflage gilt bis 2017 und enthält auch die Auswertung des ersten Plans aus dem Jahr 2005. Der Umweltverband BUND hat die Daten ausgewertet und die Bilanz am Montag präsentiert.

Den größten Beitrag zur Luftverbesserung hat demnach die Umweltzone gebracht. Durch sie ist der verkehrsbedingte Ausstoß von Feinstaub (PM 10) um 21 Prozent gesunken, der vom besonders schädlichen Ruß sogar um 58 Prozent oder 1500 Tonnen pro Jahr und der von Stickoxiden (NOx) um 86 Prozent. Allein die verbesserte Abgastechnik der BVG-Busse hat der Stadt jährlich 37 Tonnen Ruß und 732 Tonnen Stickoxide erspart. Weitere 3 Tonnen Ruß und 35 Tonnen Stickoxide vermieden die 1250 Erdgastaxis als umweltfreundlichere Alternative zu Diesel-Fahrzeugen. Der „hausgemachte“ Anteil des Feinstaubs in Berlin sank laut BUND von früher 50 auf etwa 33 Prozent.

Feinstaubbelastung überschreitet weiter Grenzwerte

Obwohl die Luft viel besser geworden ist, bleiben zwei Hauptprobleme: Die Feinstaubbelastung überschreitet den Grenzwert (35 Tage mit mehr als 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft), wenn mehrere Ursachen zusammenkommen: Geringer Luftaustausch (z.B. Hochnebel im Winter), Ferntransport von Abgasen aus Lausitzer, polnischen und tschechischen Kraftwerken sowie lokale Emission, speziell durch Straßenverkehr. Noch problematischer ist die Belastung mit Stickstoffdioxid (NO2). Es konzentriert sich an Hauptverkehrsstraßen, so dass der zulässige Jahresmittelwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft dort klar überschritten wird. Ab 2015 muss er eingehalten werden. Beim BUND haben sich laut Verkehrsreferent Martin Schlegel bereits Anwohner der Berliner Allee in Weißensee und des Mariendorfer Damms in Tempelhof gemeldet, die dann klagen wollen. So könnten sie Tempo 30 durchsetzen, das die Luft erwiesenermaßen verbessert.

Busse machen Hardenbergplatz zur Problemzone

Am Hardenbergplatz vor dem Bahnhof Zoo wird oft die stadtweit höchste NO2-Belastung gemessen, obwohl dort kaum Durchgangsverkehr herrscht. Hauptverursacher sind die Busse. Bis zu 226 pro Stunde lässt allein die BVG dort fahren; hinzu kommen Reisebusse. Der BUND hat deshalb die BVG aufgefordert, in den dreckigsten Straßen ihre saubersten Busse fahren zu lassen, die vorhandenen Filter zu optimieren und die Flotte möglichst zügig zu erneuern. Die BVG teilte daraufhin mit, dass die Filternachrüstung nur für einen Teil der Flotte wirtschaftlich vertretbar sei und die Filter tatsächlich Funktionsschwächen hätten. Echte Abhilfe sollen Neufahrzeuge mit der Abgasnorm Euro VI schaffen, die voraussichtlich ab Mitte 2014 geliefert werden. Außerdem werde bei den seit Jahren diskutierten Plänen zur Umgestaltung des Hardenbergplatzes verstärkt auf Umweltaspekte geachtet: Je flüssiger der Verkehr, desto weniger Abgase.

Quer durch die Stadt fällt eine Achse mit besonders dreckiger Luft auf, nämlich der Straßenzug Leipziger – Potsdamer – Hauptstraße – Schlossstraße. Etwas Linderung würde aus Sicht des BUND eine rasche Umstellung der Buslinien M 48 und M 85 auf möglichst umweltfreundliche Technik bringen. Gelöst würden die Probleme aber erst durch den seit Jahrzehnten geplanten, vom Senat aber nie aktiv vorangetriebenen Bau der Straßenbahnverbindung zwischen Mitte und Steglitz. Die fuhr schon vor dem Krieg auf dieser Route.

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