Berliner Mauer : TU-Professor beklagt Berlins Umgang mit Mauer-Resten

Johannes Cramer, Professor für Stadtbaugeschichte an der TU Berlin, hat den Umgang mit den Resten der Berliner Mauer als katastrophal bezeichnet. Die Erfahrbarkeit der Mauer sei "desaströs", sagte er.

Berlin (19.07.2005, 16:32 Uhr) - Die Überreste der Berliner Mauer und der Umgang mit dem Gedenken sorgen weiterhin für Streit in der Hauptstadt. Der TU-Professor für Stadtbaugeschichte, Johannes Cramer, erklärte am Dienstag, der Todesstreifen sei fast überall verschwunden, «seine Feindseligkeit nicht mehr erlebbar». Diskussionen gibt es auch über geplante Werbung am früheren Grenzübergang Checkpoint Charlie.

Der Bauhistoriker Cramer, der die Überreste der Mauer gemeinsam mit Mitarbeitern in einem vierjährigen Forschungsprojekt dokumentierte, forderte ein Gesamtkonzept zu dem Thema. Als Ort der Erinnerung sollte der teilweise erhalten gebliebene Mauerstreifen westlich des Abgeordnetenhauses gestaltet werden.

Mit dem geplanten großflächigen Werbeplakat auf dem kürzlich von symbolhaften Mauerkreuzen geräumten Gelände soll ein künftiges Museum des Kalten Krieges am Checkpoint Charlie finanziert werden. Ein entsprechender Antrag des Grundstückbesitzers, einer Bankgesellschaft, wurde nach Angaben der Kulturverwaltung bereits gestellt. Das Werbe-Motiv ist noch nicht bekannt. Ein Widerspruch zwischen der politischen Brisanz des früheren Grenzübergangs und der Werbeaussage soll vermieden werden. Der angestrebte Termin zur Aufstellung der Werbung am 13. August, dem 44. Jahrestages des Mauer- Baus, wird wohl nicht eingehalten werden.

Tätliche Auseinandersetzungen gab es am Dienstag zudem um 35 Original-Mauerteile, die der Elektronikkonzern Sony Europe dem Land Berlin schenken will. Der Kaufmann Erich Stanke versuchte den Abtransport von Mauerteilen am Gleisdreieck zu verhindern und wurde von der Polizei zurückgehalten. Er will die Mauerteile 1990 von DDR- Grenzsoldaten erworben haben und prozessiert seit Jahren darum.

Sechs dieser Mauerteile werden von diesem Mittwoch an im Rahmen einer Ausstellung am Potsdamer Platz präsentiert. Bis zum 21. August ist die Ausstellung «Berliner Mauer - Orte des Gedenkens» vor dem Bahn-Tower zu sehen. Am Mittwochvormittag werden sie offiziell an Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) übergeben. Wohin die übrigen 29 Stücke der Betonmauer gebracht wurden, wollte die Verwaltung nicht verraten. (tso)

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