Berlin : Berliner Messerstecher in Belgien gefasst

Schwer verletzte Frau hatte sich vor ihrem Freund durch einen Sprung aus dem Fenster gerettet

Tanja Buntrock

Der seit Mittwoch wegen versuchten Totschlags gesuchte Mohamad C. ist gefasst. Er soll mehrmals auf seine Freundin eingestochen haben, danach war er geflüchtet. Die Frau liegt im Krankenhaus und ist mittlerweile außer Lebensgefahr.

Die belgische Polizei hat den 23-Jährigen am Freitagnachmittag bei Lüttich festgenommen. C. war in einem aus Deutschland kommenden ICE unterwegs. In der Nähe von Lüttich „täuschte der Mann einen epileptischen Anfall vor“, wie es bei der Polizei hieß. Warum er das tat, sei noch völlig unklar, sagte ein Ermittler der 8. Mordkommission gestern dem Tagesspiegel. „Wir können uns momentan nur auf die Aussagen der belgischen Kollegen stützen.“ Als der Zug dann in der Nähe von Lüttich hielt und Mohamad C. ins Krankenhaus gebracht werden sollte, leistete der Mann Widerstand und versuchte sogar zu flüchten. Daraufhin überprüfte die belgische Polizei ihn und fand so heraus, dass C. in Deutschland gesucht wird. Nun wird seine Auslieferung nach Deutschland beantragt.

Mohamad C. war, wie berichtet, am Mittwoch gegen 22 Uhr in der Wohnung seiner Freundin Wioletta K. in der Mühsamstraße ausgerastet. Mehrmals stach er mit einem Messer auf die 28-Jährige ein. Die aus Polen stammende Frau schaffte es, über ein Fenster aus ihrer Wohnung im ersten Stock in den Hof zu springen. Danach rettete sich die schwer verletzte Frau noch in den Nachbarhof, wo ein Anwohner sie fand. Ihm konnte sie kurz schildern, was passiert war – dann wurde sie bewusstlos.

Der Grund, warum Mohamad C. auf seine Freundin eingestochen hatte, ist höchstwahrscheinlich Eifersucht. Ein Ermittler sagte dem Tagesspiegel, dass der Araber seine Freundin verdächtigt hatte, fremdzugehen. Das Paar soll seit mehreren Monaten zusammen in der Einzimmerwohnung in Friedrichshain gelebt haben.

Im vergangenen Jahr zählte die Polizei 13 000 Fälle von häuslicher Gewalt – so hoch war die Zahl noch nie. Dies liegt aber nicht daran, dass immer mehr geprügelt wird: Der Anstieg sei damit zu erklären, dass immer mehr Fälle an die Öffentlichkeit gelangen, hieß es beim Landeskriminalamt. Hilfe bekommen Opfer von häuslicher Gewalt bei der „BIG-Hotline“ unter der Nummer 611 03 00.

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