Berliner Modeszene : Die Besten der Fashion Week

Ohne die hiesigen Designer bekäme die Mercedes-Benz Fashion Week längst keine so guten Noten. Zum Glück gibt es Kaviar Gauche & Co.

von , und Alexander Kapsalis
Vladimir Karaleev: Sprung ins tiefblaue Meer
Vladimir Karaleev: Sprung ins tiefblaue MeerFoto: Promo

Vladimir, der Musterschüler

Vladimir Karaleev denkt nicht im Berliner Rhythmus – er verkauft in die USA, nach Dubai und viel nach Asien. Für ihn muss die Kollektion im September für New York und Paris fertig sein. So weit hat es der gebürtige Bulgare gebracht, dass die Fashion Week sich freuen kann, dass er hier eine Vorschau bietet. Deshalb stehen auf dem Podest im Zelt am Brandenburger Tor auch nur ein Dutzend Models. Die Entwürfe entwickelt er aus denen der vergangenen Saison weiter. Nicht, dass er noch mal einen alten Schnitt verwenden würde, aber es soll sich alles aus dem Alten weiterentwickeln. Etwas Organisches hat es, wie Karaleev Stoffe zusammenfügt, sie auf einer Seite der Schulter drapiert, als hätte er sich das nur für den Moment so ausgedacht. Und dann nutzt der Designer wieder die Steifheit des festen Jeansstoffes aus, so dass der Hosenbund ein wenig von der Hüfte absteht.

Was er macht, ist nicht einfach zu beschreiben. Es klingt gewollt, sieht aber nicht so aus, wenn das Futter einer Tasche, die vorne auf einem Pullover sitzt, unter dem Bündchen herausragt wie ein zusätzliches Musterelement. Auch, dass viele der Säume nicht vernäht sind, sondern in feinen Fäden lose herabhängen, hat nichts Unfertiges – es wirkt wie ein überlegtes Detail. Und doch gibt es auch bei Karaleev etwas, das er genau erklären kann: Die vielen Blautöne, in denen seine Entwürfe gehalten sind, sollen wie ein Sprung ins tiefblaue Meer sein.

Tuita und Johanna, die Schlauen

Viel Eintrittsgeld hat den Designerinnen Tutia Schaad und Johanna Perret ihre Entscheidung gekostet, nicht im Zelt ihre Entwürfe zu zeigen. Dafür haben sie sich wochenlang Plätze und Häuser angeschaut. Ihre Wahl fiel auf ihr Lieblingsgebäude. Immer wieder lösten sie ein Ticket und überlegten, wie sie hier ihre Schau zwischen den Schinkelskulpturen inszenieren sollten. Heraus kam die Aquariumvariante – die Zuschauer stießen sich von außen die Nasen an den Fensterscheiben platt, innen durchquerten die Models einmal das Obergeschoss. Einigen Gästen gefiel diese recht intellektuelle Variante einer Modenschau nicht so recht: Keine Musik, keine Scheinwerfer und dann noch eine Scheibe zwischen sich und den Models. Aber die Qualität der Kleider hielt dieser Stille stand – wunderschöne Farben, wie ein sattes Pink für einen Blouson, ein Kanarienvogelgelb für eine weite Hose und ein dunkelblauer Mantel zu einem Schwimmbadtürkisen Hemdkleid. Und nicht nur die „richtig, echte“ Farben, wie es Tutia Schaad ausdrückt, waren ungewohnt für das Label - auch im Design hat sich einiges getan. Die Kleider saßen deutlich akzentuierter am Körper – auch wenn die fließende und dabei schlichte Silhouette, für die Perret Schaad berühmt wurde, sichtbar blieb. Am Schluss liefen die Models mit den Designerinnen im Schlepptau einmal um das Gebäude herum, da war die Modewelt längst wieder in bester Ordnung – das Konzept war einfach zu stimmig.

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Fashion Week – Die Show von „Perret Schaad“
Fashion Week – Die Show von „Perret Schaad“

Johanna und Alexandra, die Diven

Sie sind wieder da: Im Winter hatten es Johanna Kühl und Alexandra Fischer-Roehler vorgezogen, die Kollektion ihres Labels Kaviar Gauche in Paris vorzustellen, am Mittwoch zeigten sie wieder in der Heimat. Ihre Rückkehr inszenierten sie zu sakralen Klängen in der ehemaligen St. Agnes-Kirche in Kreuzberg. In dem Betonbau aus den sechziger Jahren zeigten auch schon das Jeanslabel G-Star und der japanische Avantgardist Yohji Yamamoto. Mit seiner kargen Eleganz eignet sich der Raum ideal für Modenschauen. Kaviar Gauche feierten ein gelungenes Comeback: Ihre Kollektion ganz in Schwarz, Weiß und schimmernden Cremetönen verzichtet auf alles Überflüssige. Klare, reduzierte Silhouetten treffen auf durchbrochene Pflanzenmotive in verschiedenen Abstraktionsgraden, teils fast naturalistisch, teils geometrisch kantig verfremdet. Hoch konzentriert zeigten die beiden Designerinnen, warum sie so wichtig für die Berliner Modeszene sind.



Leyla, der Profi

Jetzt ist sie ganz oben angekommen. Leyla Piedayesh ließ ihre Gäste viele Treppen bis zum großen Saal der ehemaligen Opernwerkstätten in Mitte steigen. Hier hatte im Winter noch Hugo Boss seine Mode gezeigt. Nun also eine der wichtigsten Berliner Designerinnen. Man hatte das Gefühl, am richtigen Ort zu sein. Sich die Mode von Lala Berlin anzuschauen, macht einfach Spaß, weil alles sitzt. Dieses Mal fehlte allerdings der typische Killerprint – die Palmenblätter, Papageien und Haifische vor Südseekulisse auf Seide und in Strick waren zwar nett, aber durch die pastelligen Töne und den Jaquardstrick etwas blass. Dafür knallten die neonfarbenen Noppenstrickjacken um so mehr.

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