Berliner Mordkommissionen : Vier Tötungsdelikte ungeklärt

Die Berliner Mordkommissionen haben 2006 in mehr Fällen ermittelt und konnten rund 90 Prozent der Delikte aufklären. Gleichzeitig wächst die Arbeitsbelastung der Beamten.

Berlin - Das Berliner Landeskriminalamt hat in diesem Jahr 140 Verfahren geführt. Bei vier Tötungsdelikten sei bislang keine Aufklärung gelungen, sagte der Leiter der Berliner Mordkommissionen, Jörg Dessin. Zudem ermittelten die 67 Beamten des Dezernats in 19 Entführungsfällen. Im vergangenen Jahr arbeiteten die sieben Mordkommissionen an der Aufklärtung von 125 Tötungsdelikten, davon in sechs Fällen erfolglos.

Angesichts der gestiegenen Zahl der ausgeführten oder versuchten Tötungsdelikte seien die Fälle mit dem derzeitigen Personalbestand "schwerlich zu bearbeiten", sagte der Leiter der 1. Mordkommission, Norbert Preuschoff. Einige Delikte seien so personalintensiv, dass die ganze Abteilung eingesetzt werden müsste. Die Fahnder gehen jedoch davon aus, dass die Aufklärungsquote der Mordkommissionen in diesem Jahr wieder über 90 Prozent liegen wird.

CDU-Innenexperte fordert Aufstockung des Personals

CDU-Innenexperte Frank Henkel hält den derzeitigen Personalbestand in den Mordkommissionen nicht für ausreichend, um die Aufklärungsquote bei einer weiteren Zunahme von Tötungsdelikten aufrechtzuerhalten. Er plädierte für eine Erhöhung der Zahl der Spezialisten in den Mordkommissionen, um die Qualität der Ermittlungsarbeit auch in Zukunft zu sichern.

Zu den vom Morddezernat unaufgeklärten Delikten gehört der Fall der seit dem 25. September vermissten Georgine Krüger. Der Leiter der 6. Mordkommission, Bernhard Joß, sagte, von der 14-Jährigen aus Moabit fehle weiter jede Spur. Auch die Tötung der 40-jährigen Daniela Langer, die seit dem 19. Mai vermisst wird, könne nicht ausgeschlossen werden.

Polizei setzt auf Mithilfe der Bevölkerung

Bislang erfolglos blieben auch die Ermittlungen zum Mord an dem 45-jährigen Türken Bünyamin Yildirim, der am 4. August im Volkspark Humboldthain niedergeschossen wurde. Die Ermittler mutmaßen, dass die Tat im Zusammenhang mit einem außerehelichen Verhältnis oder Spielschulden steht. Neue Spuren in dem Fall versprechen sich die Beamten nun von der Veröffentlichung eines Tonbandmitschnitts, der unter der Rufnummer 030 / 4664 911 666 per Telefon abgehört werden kann. Hierdurch soll geklärt werden, wer den anonymen Hinweis auf einen Anrufbeantworter der Polizei gesprochen hat.

Weiter im Dunkeln tappen die Beamten angesichts der Tötung des 68-jährigen Franz Quenstedt, der am 17. Januar erstochen in seiner Neuköllner Schuhmacherwerkstatt aufgefunden worden war. Zu dem Akten gelegt haben die Ermittler den Fall Peter Piechowiak, dessen stark verweste Leiche am 19. Juni in einer Weißenseer Wohnung entdeckt wurde. Der 50-Jährige sei wahrscheinlich bei einem Sturz ums Leben gekommen, führte der Chef der 7. Mordkommission, Thomas Scherhant, an. Ein Fremdverschulden werde aber aufgrund des Zustands des Leichnams wohl nie ganz ausgeschlossen werden können. (Von Mirko Hertrich, ddp)

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