Berlin : Berliner Münze soll bleiben

Rechnungshof-Kritik 2: Senat hält Prägebetrieb für wirtschaftlich

Constance Frey

Seit 723 Jahren fließt Bares aus der Berliner Münze. Jetzt hat der Landesrechnungshof die Schließung der Traditionspräge zum nächstmöglichsten Termin gefordert. Ab 2005/06 sei der Betrieb nicht mehr zu bewirtschaften. Die Stadt könne es sich nicht leisten, in den defizitären Betrieb zu investieren. Ihr aktueller Überschuss könne in den Haushalt einfließen. Damit wären 68 Arbeitsplätze direkt bedroht.

Der Betrieb schreibt zurzeit schwarze Zahlen und hat ein gefülltes Auftragsheft. Nicht nur Euro-Münzen werden bearbeitet, das Haus am Molkenmarkt liefert auch Euro-Gedenkmünzen und Medaillen. Eine Schließung, so Claus Guggenberger, Pressesprecher der Finanzverwaltung, sei gar nicht geplant. „Die Berliner Münze arbeitet daran, Partnerschaften mit der Privatwirtschaft zu vermehren.“ Der Rechnungshof hält dagegen, dass die Berliner Münze seit 2002 nur wenig Arbeit hat. Nach dem Großauftrag für die Einführung des Euro, für den von 1999 bis 2001 am Molkenmarkt 3,4 Milliarden Geldstücke geprägt wurden, stellt der Betrieb seit 2002 nur noch im Schnitt 230 Millionen Münzen jährlich her. „Wir gehen davon aus, dass die anderen Produktionsstätten in Deutschland die Arbeit der Berliner Münze übernehmen könnten,“ meint Sabine Ausserfeld, Mitarbeiterin der Präsidialabteilung des Rechnungshofes. Da habe der Rechnungshof die jüngsten Entwicklungen der Münze nicht beachtet, meint Claus Guggenberger. „Die Münze baut gerade ihren Unternehmenssektor aus. Wir müssen jetzt sehen, wie sie sich entwickelt.“

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