Berlin : Berliner Nachtarbeiter: Mike und Frank, Verkehrsleittechniker

Der erste Kontakt mit Mike und Frank ist so richtig derb. "Treffen wir uns erstmal an der Baustelle am Kaiserdamm, oder willst du etwa schon wieder einen Döner essen, du Knoblauchkranker", knarzt es aus dem Funkgerät. Na, das kann ja heiter werden. Und die Nacht hat gerade erst angefangen.

Wenn Mike und Frank mal wieder in der selben Nacht Dienst haben, wird es in Wahrheit aber ziemlich lustig. Eigentlich sind beide mit ihren orangen Kleinlastern zu 95 Prozent alleine unterwegs, "aber wenn es irgendwie möglich ist, arbeiten wir zusammen". Verkehrsleittechniker nennen sie sich, und in der jeweiligen Nacht sind sie die einzigen Berliner Verkehrsleittechniker im Einsatz.

Wenn irgendwo in Berlin ein Wasserrohr platzt, werden Mike und Frank alarmiert. Ihre Aufgabe ist es, Gefahrenstellen zu sichern. So sperren sie Baustellen ab, leiten Autos und Radfahrer um, beleuchten den Ort des Geschehens oder flicken eben mal selbst ein Straßenloch mit Kaltasphalt. Wenn sie gerade bei der Arbeit sind, blinken an ihren Fahrzeugen viele gelbe Rundumleuchten. Sie warnen die Verkehrsteilnehmer schon von Weitem und bringen außerdem Licht ins Dunkel.

Arbeiten, wenn andere feiern

Viele Autofahrer, die sich durch die Arbeit von Mike und Frank behindert fühlen, reagieren ziemlich unwirsch. "Du wirst ständig dumm angemacht", erzählt Frank. "Kannst du das denn nicht am Tage machen?" tönt es immer wieder aus Autofenstern. Der 40-jährige Familienvater, der für sein Leben gerne Knoblauch isst, arbeitet im Gegensatz zu seinem Kollegen im Schichtwechsel. "Kannst du das nicht abends machen, wenn weniger Autos unterwegs sind?!" wird ihm dann wiederum am Tage zugerufen.

Aber auch von betrunkenen Passanten werden sie des öfteren angepöbelt. Besonders schlimm ist es in der Schicht von Freitag zu Sonnabend. "Dann arbeiten wir, während alle anderen feiern", sagt Mike und zeigt auf ein Restaurant mit Biergarten. "Wenn dort Leute draußen sitzen, und man ist nebenan dabei, den Gehweg zu sperren, kann man darauf wetten, dass sie sich irgendwie über einen lustig machen."

Aber die beiden Männer in orange nehmen es nicht nur gelassen, sondern können sogar noch darüber scherzen. "Du hast aber einen doofen Job, hat vor kurzem ein Mädel zu mir gesagt", erzählt Mike lachend und klopft seinem Kumpel auf die Schulter. "Ich glaube, die hat das nicht mal böse gemeint".

In den sieben Jahren, in denen Mike ausschließlich nachts gearbeitet hat, hat er einiges erlebt. So wurde ihm zum Beispiel dreimal der Tranporter geklaut. Das letzte Mal hockte er gerade vor dem Wagen und löste Markierungen von der Straße. "Da hörte ich nur noch ein verdächtiges Geräusch und wurde fast umgefahren", berichtet Mike so gelassen, als handele es sich um einen Spielzeugunfall auf dem letzten Kindergeburtstag. Als er dann auf seinem eigenen Handy anrief, das noch in dem gestohlenen Fahrzeug lag, ist der Dieb sogar rangegangen. "Ich will nur nach Hause fahren", hat der Dieb ins Telefon gelallt.

Die entwendeten Wagen wurden bisher jedesmal schnell von der Polizei wiedergefunden. "Inzwischen renne ich keinem Auto mehr hinterher", sagt Mike.

Wenn Frank und Mike gegen vier Uhr morgens nach Hause fahren, können sie nur hoffen, dass das Telefon nicht noch einmal klingelt. Denn die beiden haben ja auch noch Bereitschaftsdienst. Erst wenn Mikes Frau um 6 Uhr morgens aufsteht, dann hat er wirklich Feierabend. Und wenn sie dann um 17 Uhr von der Arbeit wiederkommt, haben die beiden eine Stunde für einander - nicht mehr. "Aber in einer Stunde kann man alles erledigen", sagt Mike ohne rot zu werden. Vielleicht, so fügt er hinzu, ist das ja auch gerade ein Geheimnis für gute Ehen. "Und ich bin deshalb schon zehn Jahre verheiratet."

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