Berliner Nachtleben : Tanzvergnügen mit Tischtelefon

Das Café Keese in Charlottenburg feiert das 50-jährige Bestehen. Seine Wurzeln reichen bis nach Hamburg.

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Partystimmung im "Cafe Keese" - hier nach der Premiere des Films "Der Rote Kakadu" bei der Berlinale 2006.
Partystimmung im "Cafe Keese" - hier nach der Premiere des Films "Der Rote Kakadu" bei der Berlinale 2006.Foto: Kalaene/dpa

Telefone auf allen 135 Tischen erst seit 1992? Wer hätte das gedacht, meint doch jeder, der mit der Historie des hier zu feiernden Etablissements vielleicht nicht in allen Details vertraut ist, Tischtelefon und Café Keese seien quasi Synonyme. Sind sie aber nicht, wie auch das traditionsreiche Haus in der Bismarckstraße 108 keineswegs eine Altberliner Pflanze ist, wie speziell Neuberliner gerne meinen. Schon 1948 wurde das Tanzlokal von dem namensstiftenden Bernhard Keese auf der Reeperbahn gegründet und existierte dort bis in die späten neunziger Jahre, als sich das Berliner Gegenstück, ursprünglich eine Dependance des Hamburger Stammhauses, unter der noch immer aktuellen Betreiberfamilie Ludwig längst selbstständig gemacht hatte.

Das Café Keese in der Bismarckstraße, nicht weit vom Schillertheater, ist eine Institution.
Das Café Keese in der Bismarckstraße, nicht weit vom Schillertheater, ist eine Institution.Foto: Thilo Rückeis

An diesem Wochenende nun beging das im tiefsten Charlottenburg ansässige Lokal sein 50-jähriges Bestehen, zunächst eine West-, nun eine Gesamtberliner Institution und darin vergleichbar Clärchens Ballhaus trotz der dort fehlenden Tischtelefone. Denn wenngleich das Haus in der Auguststraße eher noch Kult ist als das in der City West, wirken doch beide recht aus der Zeit gefallen, wird etwa im Café Keese noch immer der Discofox hochgehalten, als berausche sich John Travolta weiterhin am Saturday Night Fever, das dort mit durchaus gemischten Tanz- und Musikstilen sogar tagein, tagaus die Wangen glühen und die Herzen höher schlagen lässt, ob mit oder ohne Griff zum Tischtelefon.

Gerne bedienen sich angesichts von so viel überkommenem Zeitkolorit findige Filmleute beider Institutionen – sei es, dass sie dort ihre Kameras aufbauen wie Quentin Tarantino für „Inglourious Basterds“ in Clärchens Ballhaus oder ihre fertigen Produkte feiern wie im Café Keese anlässlich der Premiere von „Der Rote Kakadu“ oder „Aimée & Jaguar“. Denn wer dabei Marianne Rosenberg unter Café Keeses Kristalllüster „Marleen, eine von uns beiden muss nun gehn ...“ hat singen hören wie 1999 zur Berlinale, wird das nie vergessen und ist bereit für den nächsten „Ball Paradox“.

Café Keese, Bismarckstraße 108 in Charlottenburg, hat bei freiem Eintritt täglich geöffnet: Mo 15 - 19.30 Uhr, Di ab 19 Uhr, Mi ab 19.30 Uhr, Do 15 - 19.30 Uhr, Fr/Sa ab 19.30 Uhr, So 15 - 19.30 Uhr. Weitere Infos unter cafekeese.de.

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