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Berliner Nachtragshaushalt 2017 : Mit Geld gegen den Lehrermangel

Das ging schnell: Berlins frisch ausgebildete Grundschullehrer sollen schon vom Sommer an mehr Geld verdienen. Hoffnung auch für "Bestandslehrer".

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Manche Eltern greifen tief in die Tasche, um ihre Kinder optimal fördern zu lassen. Foto: ZB/dpa
Manche Eltern greifen tief in die Tasche, um ihre Kinder optimal fördern zu lassen.Foto: ZB/dpa

Die stillen Reserven gehen zur Neige: nicht fortgebildete DDR-Lehrer, bayerische Studienräte, Seiteneinsteiger, Pensionäre - sie alle wurden in den vergangenen Jahren zur Hilfe genommen, um insbesondere in den Grundschulen die immensen Lücken bei den freien Stellen zu stopfen. Nun ist die große Frage, wie im Sommer die abermals notwendigen rund 2000 neuen Lehrer rekrutiert werden können.

Die Ausbildung ist inzwischen gleich lang

Eine Antwort hat die rot-rot-grüne Landesregierung nun selbst gegeben: Getreu ihrer Koalitionsvereinbarung will sie mit einer höheren Grundschullehrerbesoldung neue Anreize schaffen, in Berliner Schulen zu arbeiten und gleichzeitig der Tatsache Rechnung tragen, dass die Ausbildung der Grundschulpädagogen künftig genauso lange dauert wie die der Oberschullehrer. Für das Referendariat gilt dies bereits.

Dies bedeutet, dass die höhere Grundschullehrerbesoldung bereits zum Beginn des Schuljahres 2017/18 greifen soll. So steht es im entsprechenden Referentenentwurf der Bildungsverwaltung, der dem Tagesspiegel vorliegt. Dort ist auch zu lesen, dass die neuen Kräfte nach der Besoldungsstufe A 13 bzw. E 13 bezahlt werden sollen, die früher vor allem den Lehrern der Sekundarschulen und Gymnasien vorbehalten waren.

Scheeres würdigt neue Aufgaben der Grundschullehrer

"Besoldungsstufe A13 für Grundschullehrkräfte ist ein wichtiger und überfälliger Schritt, um Studierende wieder für das Grundschullehramt zu begeistern", kommentierte die SPD-Bildungspolitikerin Maja Lasic den Entwurf.
Es sei "ein tolles Signal", dass die Bezahlung nach der höheren Stufe bereits im Nachtragshaushalt berücksichtigt werden könne, womit Berlin "Vorreiter" sei.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) betonte, dass sich die Anforderungen an Grundschullehrkräfte "durch die Einführung des Ganztagsbetriebes, der Individualisierung von Lernprozessen sowie der Inklusion in den letzten Jahren deutlich erhöht" hätten. Auch deshalb sei eine Höhergruppierung der richtige Schritt.

Es geht um 500 Euro mehr im Monat

Nach GEW-Angaben bedeutet die neue Besoldung ein Plus von rund 500 Euro brutto im Monat . Im Nachtragshaushalt 2017 sollen dafür 2,4 Millionen Euro eingeplant werden, damit 385 Stellen entsprechend finanziert werden können. Vor allem in Randbezirken wie Marzahn-Hellersdorf oder Spandau ist es schwierig, die Stellen zu besetzen.

Noch nicht eingeplant ist allerdings die ebenfalls für nötig befundene Höherdotierung der Konrektoren sowie der „Zweiten Konrektoren“. Das könnte laut Referentenentwurf aber im Rahmen des „Anhörungsverfahrens“ geklärt werden. Wie berichtet, können viele freie Konrektorenstellen nicht besetzt werden, weil die Bedingungen unattraktiv sind.

Hoffnung auch für Konrektoren

Die SPD ist offenbar entschlossen, bei den Konrektoren schnell nachzubessern, damit sie nicht weniger verdienen als die neuen Grundschullehrer . "Uns steht noch viel Arbeit bevor", sagt Lasic denn auch im Hinblick auf die notwendigen Verhandlungen für den Nachtragshaushalt: Die Konrektoren sollen nicht erst zum 1. Januar 2018 mehr Geld bekommen, sondern möglichst schon im Sommer 2017 zusammen mit den neuen Grundschullehrern.

Aber auch das ist noch nicht alles: Der "nächste Schritt" werde sein, auch den nach den alten Bedingungen eingestellten Lehrern, den sogenannten Bestandslehrkräften, "den Wechsel in die A13 zu ermöglichen". Es könne nicht sein, "dass eine Lehrkraft, die seit 20 Jahren an der Grundschule unterrichtet weniger verdient als ein Neueinsteiger," betonte Lasic.

GEW sieht "bundesweite Signalwirkung"

Auch dieser Punkt ist schon in Arbeit: "Für Bestandslehrkräfte, die eine kürzere Ausbildung als die neuen Lehrkräfte haben, lasse ich aktuell ein Modell erarbeiten, dass es ihnen möglich macht, durch Qualifizierungs- und Fortbildungsmaßnahmen auch in eine höhere Eingruppierung zu kommen,“ kündigte Scheeres an.

Die GEW ist offenbar optimistisch, dass es hier schnell Ergebnisse geben wird: "Absolvierte Fortbildungen werden angerechnet", twitterte die Gewerkschaft, nachdem der Tagesspiegel die Pläne für den Nachtragshaushalt publik gemacht hatte. Die Bezahlung nach A13/E13 sei "ein schöner Erfolg mit bundesweiter Signalwirkung". Insgesamt arbeiten in Berlin rund 12.400 Grundschullehrer.

Um Lehrerbesoldung, Quereinsteiger und weitere „Baustellen“ soll es bei einer aktuellen Veranstaltung der Initiative „Bildet Berlin“ gehen: Diesen Donnerstag, 23.2., ab 18.30 Uhr diskutieren Bildungspolitiker sowie Schüler- und Elternvertreter im Dathe-Gymnasium, Helsingforser Str. 11–13, in Friedrichshain. Es moderieren Robert Rauh und Tamara Adamzik. Mehr Infos hier.

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