Berlin : Berliner Nahverkehr: Der Trend geht zum Eindecker

Jörn Hasselmann

Die BVG kauft neue Busse, allerdings handelt es sich nicht um Doppeldecker. Gestern übergab der Hersteller MAN den Berliner Verkehrsbetrieben die ersten 42 der insgesamt 112 in diesem Jahr bestellten Omnibusse. Die 42 Exemplare, die gestern vor dem Olympiastadion zur Schau gestellt wurden, sind zwölf Meter lange Eindecker, die folgenden 70 sind 15-Meter-Eindecker. Optisch fällt vor allem der Aufkleber mit dem Brandenburger Tor an der Front auf. Damit will sich die BVG künftig von den Bussen anderer Betriebe - und auch ihrer Tochter "Berlin-Transport" - absetzen.

Alle neuen Fahrzeuge sind behindertengerecht, was der neue Landesbehindertenbeauftragte Martin Marquard bei der Präsentation wohlwollend zur Kenntnis nahm. BVG-Bus-Chef Rainer Lawerentz sagte, dass nun etwa 80 Prozent aller Fahrzeuge behindertengerecht oder zumindest -freundlich seien: "Für eine Großstadt ist das eine Toppzahl."

Mit dem erneuten Verzicht auf Doppeldecker nähert sich die BVG der angestrebten "Drittelquote" bei ihren gut 1300 Bussen, also ein Drittel Doppeldecker, ein Drittel kurze und ein Drittel lange Eindecker. Lawerentz versicherte abermals, dass die das Stadtbild prägenden "großen Gelben" nicht aussterben werden. Das Angebot von 90 Plätzen ist in den kurzen Eindeckern übrigens so groß wie in den Zweideckern. Allerdings gibt es in den neuen Modellen nur 30 Sitzplätze. Traditionelle Doppeldecker haben 79 Sitz-, aber nur 11 Stehplätze.

Die neuen Modelle ("NL 263") haben dafür eine Klimaanlage, eine digitale Haltestellenanzeige, Wärmeschutzverglasung, eine Fahrgastzähleinrichtung und eine Satellitennavigation. Erstmals gibt es niedrige Sitze für Kleinwüchsige. Die neuen Eindecker sind zudem mit neuen Abgasfiltern ausgerüstet, die schon jetzt die künftigen Grenzwerte der Euro-III-Norm erfüllen: Der Bus stinkt und rußt nicht mehr.

MAN liefert sämtliche neuen BVG-Busse dieses Jahres. Dafür akzeptierte das Traditionsunternehmen vermutlich einen niedrigen Kaufpreis. Über den Wert der 112 neuen Busse schwiegen sich BVG und MAN gestern aber aus. "Es gab harte Preisverhandlungen", sagte BVG-Finanzvorstand Joachim Niklas. Bislang kostete ein Eindecker etwa 500 000 Mark. Diesen Preis hat die BVG in zweijährigen, mehrfach vor dem Scheitern stehenden Verhandlungen erfolgreich gedrückt. Seit 1905 haben MAN und die Vorläuferfirma Büssing der Stadt mehr als 5500 Busse geliefert.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben