Berliner Nahverkehr : Sie rollen die alten Züge wieder

Die BVG setzt bald historische Züge wieder ein. Das Beispiel sollte Schule machen. Eine Glosse

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Wieder auf Achse. Solche alten U-Bahnzüge aus DDR-Produktion sollen den Verkehr zur IGA verstärken. Das Foto entnahmen wir dem Buch „Berliner U-Bahn“ von J. Meyer-Kronthaler und K. Kurpjuweit (be.bra Verlag).
Wieder auf Achse. Solche alten U-Bahnzüge aus DDR-Produktion sollen den Verkehr zur IGA verstärken. Das Foto entnahmen wir dem...

Erinnert sich noch jemand an „La Tortuga“? „Die Schildkröte“ des Künstlers Wolf Vostell? Nein, es war keine Tierskulptur, wie sie in Zoo und Tierpark so dekorativ aus den Büschen lugen. „La Tortuga“, das war eine Dampflokomotive mit Tender der Deutschen Reichsbahn, auf den Rücken gekippt und ausgestellt am Anhalter Bahnhof anlässlich der Ausstellung „Mythos Berlin“ im Jahr des 750. Stadtjubläums, also 1987. Ein damals ziemlich umstrittenes Werk, das später den Weg nach Marl gefunden hat und nun dort die Menschen in Staunen versetzt.

Hoffentlich auch ins Nachdenken, denn schließlich hatte Vostell nicht irgendeine Lok umgekippt, sondern eine der Baureihe 52, wie sie in der NS-Zeit für allerlei unheilvolle Transporte benutzt wurde, aber dafür konnte die Lok ja nichts. Man hätte sie also ohne Weiteres noch einmal umdrehen, reparieren und wieder in Dienst stellen können, vielleicht mit einer anderen Abgastechnik oder ein paar tüchtigen Filtern. Züge kann es schließlich nie genug geben, die Berliner S-Bahn weiß ein mehrstrophiges Lied davon zu singen, die BVG mit ihrem U-Bahn-Netz ebenso, obwohl dort „La Tortuga“ doch etwas deplatziert wirken würde.

Aber ein Faible für Oldtimer hat man bei der BVG, soeben wird es wieder bewiesen. Aus alten S-Bahn-Teilen zusammengeschraubte Klassiker des U-Bahn-Wesens der DDR für die Gartenschau IGA, längst aussortierte Waggons für die Kanzlerbahn – dergleichen wieder auf die Gleise zu schicken, beweist wahrlich Sinn für Tradition. Zwar scheint es vorerst sinnlos, auf die Rückkehr der Pferdebahnen zu hoffen, deren einzige Belastung der Stadtluft in den Ausdünstungen der Pferdeäppel bestand und deren Nutzung die Feinstaubbelastung schlagartig reduzieren würde. Aber die hiesigen Nahverkehrsbetriebe könnten zumindest klein anfangen, die S-Bahn etwa sich an der U-Bahn ein Beispiel nehmen und eventuell verbliebene Uralt-Züge reaktivieren. Mit ihren stabilen Holzsitzen haben sie noch jeder vandalistischen Attacke widerstanden.

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