Berliner Nahverkehr : Sieben von 100 Zügen unpünktlich

Sieben von 100 Zügen des Regionalverkehrs in Berlin und Brandenburg haben Verspätungen von mehr als fünf Minuten. Das ist ein Ergebnis der erstmals veröffentlichten "Qualitätsbilanz" des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg.

Berlin - "Das ist ein Problem, dessen wir uns sofort annehmen müssen", sagte der Geschäftsführer des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB), Hans Werner Franz. Allerdings habe sich die Pünktlichkeit des Regionalverkehrs 2005 im Vergleich zu 2004 von 89,6 auf 93,2 Prozent verbessert. 95,4 Prozent der Züge wurden Sauberkeit und 98,8 Prozent Schadensfreiheit attestiert.

Die Zahlen gehen aus der "Qualitätsbilanz 2005" hervor, die der VBB erstmals vorlegte. Diese Qualitätskontrolle soll den Angaben zufolge nun jährlich durchgeführt werden.

Im Zentrum der Untersuchung stand die Analyse der Kundenzufriedenheit. Insgesamt wurden 2903 Fahrgäste befragt. Die Kunden bewerteten die Qualität der Züge insgesamt mit der Note 1,83 und die Qualität der Bahnhöfe mit der Note 2,19. Grundlage der Bewertung ist eine Schulnotenskala von 1 bis 6. Während der Wert von 1,83 für die Zugqualität im Bundesvergleich sehr hoch sei, gebe die Note 2,19 für die Qualität der Bahnhöfe Anlass zur Sorge, sagte Franz. Insgesamt hätten die Qualitätskriterien "Informationen bei Unregelmäßigkeiten/Verspätungen im Zug" und "Pünktlichkeit" in der Kundenmeinung am schlechtesten abgeschnitten.

Der VBB-Bereichsleiter für Nahverkehrs- und Qualitätsmanagement, Arnd Schäfer, wies darauf hin, dass von den rund 450 Bahnhöfen in beiden Länden in Brandenburg nur noch weniger als zehn mit Personal besetzt seien. Das Unternehmen Station und Service der Deutschen Bahn habe vor allem wegen der Eröffnung des Berliner Hauptbahnhofs Servicekräfte versetzt.

Viele Brandenburger Bahnhöfe ohne Personal

Wegen des fehlenden Personals auf den meisten Brandenburger Bahnhöfen sei eine zuverlässige Information der Kunden etwa bei Zugverspätungen kaum mehr möglich, kritisierte Franz. Für den VBB habe die Sicherstellung der Qualität Vorrang. Die Bahn achte wegen des geplanten Börsengangs inzwischen zu sehr auf Rentabilitätskriterien. "Wir befinden uns derzeit in einem Kampf mit Station und Service um die Verbesserung des Kundenservice", fügte Franz hinzu.

Auch bei der Berliner S-Bahn klagten die Kunden über Verspätungen. Mit einem Pünktlichkeitswert von 95,37 Prozent habe die S-Bahn trotz der sehr intensiven Bautätigkeit das Pünktlichkeitsniveau gegenüber dem Vorjahr knapp halten können. Da viele Baumaßnahmen zum Fahrplanwechsel vor vier Wochen abgeschlossen seien, rechnet Franz in diesem Jahr mit Verbesserungen. (tso/ddp)

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