Berliner Ordnungsämter rüsten auf : Knöllchen verteilen nur noch mit Schutzweste

Mitarbeiter der Ordnungsämter werden immer öfter beleidigt, bedroht oder sogar angegriffen. Deshalb rüsten die Bezirke sie auf - zum Beispiel mit Sicherheitswesten.

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Mangelnder Respekt. Mitarbeiter der Ordnungsämter sind häufiger denn je Anfeindungen ausgesetzt.
Mangelnder Respekt. Mitarbeiter der Ordnungsämter sind häufiger denn je Anfeindungen ausgesetzt.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Die Ordnungsämter rüsten auf – berlinweit. Pfefferspray und Schlagstöcke dürfen Mitarbeiter bereits bei sich tragen, jetzt erhalten sie auch noch hieb- und stichsichere Schutzwesten für ihre Außeneinsätze. „Das Problem ist, dass sich keiner freut, wenn das Ordnungsamt kommt“, sagt Stephan Machulik (SPD), Leiter des Spandauer Ordnungsamts. Häufig würden sich seine Mitarbeiter nicht mehr sicher fühlen.

„Gerade bei Einsätzen in Spielhallen und bei der Umsetzung des Jugendschutzes nimmt die Bedrohung zu“, erzählt Machulik. Schließlich sei von den Angestellten der Wunsch nach Sicherheitswesten geäußert worden. Nun hat jeder der 40 Außendienstmitarbeiter eine Weste, die je nach Modell zwischen 150 und 300 Euro kostet. Die Benutzung erfolgt freiwillig.

Auch Methoden zur Deeskalation werden trainiert

Machulik berichtet von körperlichen Angriffen, mangelndem Respekt und verbalen Beleidigungen. „Spandau ist nicht der Wilde Westen, aber es hat sich schon etwas verschoben.“ Auch mit den neuen Sicherheitswesten sollen sich seine Mitarbeiter im Zweifel immer zurückziehen und deeskalieren. „Wir wollen nicht mit der Polizei konkurrieren“, sagt Machulik. Das sage man den Mitarbeitern auch immer wieder und schule sie über Deeskalationsmethoden.

Das ist auch im Ordnungsamt Mitte gängige Praxis. Dort ist man bereits seit Anfang des Jahres mit solchen Sicherheitswesten ausgestattet. Zwar habe man keine genauen Zahlen, aber subjektiv sei festzustellen, dass die „Bedrohungslage und Gewaltbereitschaft gegenüber den Mitarbeitern des Ordnungsamts angestiegen ist“, erzählt Bezirksstadtrat, Carsten Spallek (CDU).

Nicht nur Parkplatz-Kontrolleure sind gefährdet

Offizielle Zahlen, wie viele Mitarbeiter der Berliner Ordnungsämter in den vergangenen Jahren insgesamt angegriffen wurden, gibt es nicht. Auf eine entsprechende parlamentarische Anfrage des kürzlich verstorbenen Piraten-Abgeordneten Gerwald Claus-Brunner antwortet die Senatsinnenverwaltung Ende August so: „Die Angriffe auf die Beschäftigten in den Ordnungsämtern sind in dem Zeitraum seit 2011 kontinuierlich angestiegen.“Opfer wurden nicht nur Parkraumkontrolleure, sondern auch Beschäftigte der Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsämter. Die Delikte umfassen Beleidigung, Körperverletzung, Nötigung, Bedrohung und gefährliche Eingriffe in den Straßenverkehr.

In Kreuzberg-Friedrichshain, wo man bereits seit über einem Jahr Sicherheitswesten verteilt, hat man jetzt noch mal nachgezählt. Allein seit Jahresbeginn habe man bereits 38 Angriffe gezählt, heißt es auf Anfrage des Tagesspiegel: 25 davon verbal, acht rein körperlich und fünf sowohl körperlich als auch verbal. Dass die Zahlen steigen, zeigt der Vergleich zum Vorjahr. Da wurden im gesamten Jahr 32 Übergriffe registriert.

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