Berliner Parks : Leere Kassen, leere Beete

Kein Geld für Nachpflanzungen und Pflege: Den Berliner Parks droht - wetterunabhängig - die große Dürre. Private Initiativen können den Verlust an Mitteln aus der öffentlichen Hand nicht ausgleichen.

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Tulpenbeete wie dieses wird man in diesem Frühling kaum finden. In Treptow-Köpenick zum Beispiel spart man an den Frühlingsblumen. Hier wird erst im Sommer gepflanzt.Weitere Bilder anzeigen
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04.04.2011 12:19Tulpenbeete wie dieses wird man in diesem Frühling kaum finden. In Treptow-Köpenick zum Beispiel spart man an den Frühlingsblumen....

Noch ist auf die meisten Blumenzwiebeln und Knollen Verlass. Tulpen, Narzissen und viele andere Frühlingsboten haben gerade wieder in Parks und Grünanlagen, auf Mittelstreifen und öffentlichen Beeten ihren großen Auftritt – doch es sind bereits auffällig weniger geworden. Denn Berlins Bezirke haben immer weniger Geld, um neue Generationen von Frühblühern in die Erde zu bringen. Schlechte Aussichten also: Dem Aufbruch in die schönste Jahreszeit werden künftig die frohen Farben fehlen, zumal Berlin auch an Stauden und anderen Blumen spart. Die Stadt wird immer stiefmütterlicher bepflanzt, das öffentliche Grün wird immer dürftiger gepflegt.

Es gibt allerdings auch einen Lichtblick: Es wächst das grüne Bürgerengagement. Die Zahl der Nachbarschaftsinitiativen nimmt zu, die öffentliche Beete als Paten übernehmen. Für den Pankower Bürgerpark spenden Anwohner Pflanzen, am Brixplatz in Westend pflegt eine Bürgerinitiative den Botanischen Lehrgarten, am Leon-Jessel-Platz in Wilmersdorf kümmern sich Nachbarn um Blumenrabatten, teils bürgerschaftlich betreut werden auch die Rehwiese am Nikolassee oder der Volkspark Lichtenrade. Insgesamt sind in Berlin mehr als 30 solcher Initiativen aktiv.

Das entlastet ein wenig die Grünflächenämter. Denn Personalabbau, Mittelkürzungen und Vandalismus lassen ihnen wenig Spielraum. Die Zahl der Mitarbeiter für die Pflege des gut 6500 Hektar umfassenden öffentlichen Stadtgrüns in Berlin habe sich in den vergangenen 15 Jahren auf 1800 halbiert, sagt Beate Profé, die Referatsleiterin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Beispiel Mitte: Der City-Bezirk müsste dringend offene Stellen besetzen, sagt Stadtrat Ephraim Gothe (SPD). „Mit dem Pflanzen ist es ja nicht getan.“ Doch der Senat erlaubt keine Neueinstellungen außer vom Stellenpool, der arbeitslos gewordene Mitarbeiter der öffentlichen Verwaltung vermittelt. Dort gibt es aber zu wenig gärtnerische Fachkräfte. Dennoch dürfen selbst die 15 Auszubildenenden des Grünflächenamtes nach der Lehre nicht übernommen werden.

Private Gartenbaufirmen können sich die Bezirke aber als Ersatz kaum leisten. Mitte hatte im Jahr 2005 noch 5,8 Millionen Euro für Grünpflege zur Verfügung, wozu auch Müllsammeln oder der Spielplatz- und Wegebau gehören. Ein JahresEtat von 1,6 Millionen Euro ist geblieben. Und das, obwohl Mitte als Hauptstadtbezirk die meisten Grünflächen der sogenannten Klasse 1 hat, für die der Senat eine besonders intensive Pflege vorschreibt. Der Lustgarten, der Spreebogen, der Tilla-Durieux-Park am Potsdamer Platz gehören dazu. Am Pariser Platz blieb es nur bunt dank eines Landeszuschusses für Stiefmütterchen und Blumenzwiebeln. Zumindest für die Touristen sollte Berlin nicht erblassen. Außerdem spendete die holländische Großgärtnerei Keukenhof dem Bezirk, wie schon in den Vorjahren, tausende Tulpen und Traubenhyazinthen – vor allem für die „gute Stube“ Berlins. Einen Bonus vom Bund gibt es dagegen nicht.

In Spandau wurden bereits die Blumenkübel aus der Fußgängerzone in der Altstadt entfernt. Die großen Töpfe mit Geranien oder Oleander müssen aufwendig bewässert werden, was ganze Teams mit Tankwagen beschäftigt. „Im Münsingerpark blüht fast gar nichts mehr“ klagt Amtschefin Elke Hube. „Keine Chance. Unser Etat ist von einstmals knapp fünf auf 1,5 Millionen Euro gesunken.“

In Charlottenburg-Wilmersdorf werden Beete teils seit Jahren nicht mehr bepflanzt – beispielsweise am Steubenplatz in Westend. Am Kurfürstendamm putzt sich der Bezirk hingegen weiter bunt heraus. Man konzentriere sich auf einige Schwerpunkte, heißt es. Charlottenburg-Wilmersdorf besitzt zwar als einziger Bezirk noch eine eigene Ausbildungsgärtnerei im Grunewald, die jährlich rund 250 000 Zierpflanzen heranzieht. Für deren spätere Pflege fehlt aber Personal. Deshalb wird die Anzucht teilweise an andere Bezirke verkauft.

Treptow-Köpenick verzichtet bereits ganz auf die Frühjahrsbepflanzung und startet erst mit den Sommerblumen. An den Straßen gibt es schon lange keine Blütenpracht mehr, nur der Treptower Park und die Wuhlheide bekommen noch eine Blumenzierde. Ebenso wie in Neukölln werden ausschließlich herausgehobene Stellen verschönert. Und auch in Pankow ist die Grünpflege längst eingeschränkt. „Es bleiben nur die jährlichen Krokusse und Schneeglöckchen“, sagt Gerrit Deutschmann vom Bürgermeister-Büro. In Friedrichshain-Kreuzberg hat man die gleiche Hoffnung. „Auf dass unsere Zwiebelpflanzen noch viele Jahre blühen.“

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